ZENI GEVA

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Punkrock aus Japan

Japanische Autos, japanische HiFi-Geräte, japanische Computer - das fernöstliche Land ist in Deutschland allgegenwärtig. Dass es in Japan eine recht große Punk- und Hardcoreszene gibt, ist den meisten auch bekannt. Doch japanische Bands sind hier weitgehend unbekannt, ihre Platten kaufen nur ein paar fanatische Sammler. Zum diesem Exotenstatus trägt vor allem ein Faktor bei: Japanische Bands kommen so gut wie nie nach Europa auf Tour. Und wenn sie kommen, ist es ungleich schwerer als bei Bands aus dem sonstigen Ausland, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, da Englischkenntnisse meist nur sehr rudimentär vorhanden sind. So auch bei ZENI GEVA, einer grandiosen Band aus Tokio, die mit „Desire For Agony" unlängst auf Alternative Tentacles ein Album veröffentlichten und so die Chance bekamen, aus der Obskurität des totalen Undergrounds aufzutauchen. Vor ihrem Auftritt in Köln Ende August versuchte ich, mit Sänger K.K. Null ins Gespräch zu kommen. ZENI GEVA spricht man übrigens beinahe so aus, wie es geschrieben wird. Lediglich das Z wird als S gesprochen.

Wie wurden ZENI GEVA geboren?

Die Geschichte von ZENI GEVA begann als Experimentalprojekt unter dem Namen NULL, wo zu Gitarrenimprovisationen eine Tänzerin auftrat. Daher kommt auch mein Spitzname K.K. Null.

Steckt da das deutsche Wort Null dahinter?
Ja. NULL war mein erstes Projekt, aber das ist auch schon vierzehn oder fünfzehn Jahre her. Damals bestand die Underground-Szene in Tokio nur aus ein oder zwei kleinen Clubs, in denen man auftreten konnte. Und auch die Punk-Szene selbst bestand nur aus ein paar Leuten. Jeder kannte jeden. Zwei Jahre später spielte ich dann bei YBO 2, wobei wir das YBO YBO aussprechen. Gleichzeitig gründete ich aber auch noch meine eigene Band namens A.N.P., was für ABSOLUT NUR PUNK steht. Wir spielten da dann schon eher „richtige" Musik und nicht nur Improvisationen.

Du meinst, du hast deiner Band tatsächlich einen deutschen Namen gegeben?
Ich fand es langweilig, dass so viele japanische Bands sich eine englischen Namen gaben. Also dachte ich mir, dass ein deutscher Name was Außergewöhnliches wäre, und suchte aus dem Wörterbuch ein paar Worte zusammen.

Seit damals ist die Szene in Tokio doch sicher größer geworden. Erzähl mal ein bisschen.
Sicher, die Szene ist gewachsen. Aber ich rechne mich nicht zur Szene - damals nicht und heute nicht. Ich will vollkommen unabhängig bleiben, in meinem Alltagsleben und in musikalischer Hinsicht. Deshalb interessieren mich andere Bands auch überhaupt nicht.

Du hörst also nie Platten von anderen Bands?
Nein, und wenn ich mal auf eine andere gute Band stoße, ist das reiner Zufall.

Ich habe - wie jeder, der nicht ein intimer Kenner der japanischen Szene ist - das erste Mal von euch gehört, als euer aktuelles Album im Frühjahr auf Alternative Tentacles erschien. Aber ZENI GEVA gibt es doch sicher schon länger, oder?
Nachdem ich bei YBO 2 ausgestiegen war und A.N.P. aufgelöst hatte, wollte ich weniger improvisierte Musik machen und stattdessen lieber richtige Songs komponieren. Deshalb gründete ich ZENI GEVA und suchte mir Musiker. Das Line-Up wechselte ständig, und erst zwei Jahre später fand ich mit Habata ein festes Mitglied. Eito, unser Schlagzeuger, stieg dann drei Monate vor unserer ersten US-Tour ein.

Ich nehmen an, ihr habt außer „Desire For Agony" noch andere Platten aufgenommen.
Ja, ich habe zwei Alben auf meinem eigenen Label NUX Organisation veröffentlicht, eines namens „Total Castration" auf dem US-Label Public Bath, sowie zwei weitere auf Energy Records, die in den USA und Japan erschienen sind. Eines davon heißt „Nayha", was soviel bedeutet wie „Internal Explosion", das andere ist ein Live-Album mit Steve Albini. Außerdem ist auf meinem eigenen Label noch das „Live In America"-Album erschienen. Ach ja, und dann ist noch auf dem englischen Pathological Label ein Album erschienen. Ich glaube, das sind jetzt alle.

Uff, ne ganz schöne Ladung. Aber ich denke, erst mit dem Album auf Alternative Tentacles seid ihr hier in Europa etwas bekannter geworden.
Ja, aber das ist auch gut so, denn ich bin mit den alten Sachen überhaupt nicht mehr zufrieden und sehe sie als nicht mehr für die Band repräsentativ an.

Du erwähntest gerade Steve Albini, der ja auch euer letztes Album produziert hat.
Auf einem Konzert in Osaka traf ich den Typ von Public Bath Records, der dort wohnt. Der wiederum kannte Steve Albini und hat ihn für uns als Produzent klargemacht. Das ist alles.

Wie seid ihr denn mit Alternative Tentacles in Kontakt gekommen?
Als ich 1990 das erste mal solo in San Francisco aufgetreten bin, warauch Jello Biafra auf dem Konzert. Nach dem Auftritt sprach er mich an, wir unterhielten uns sehr gut und wurden Freunde. Jedes mal, wenn wir danach mit ZENI GEVA in San Francisco spielten, kam er zu unseren Konzerten. Als wir dann unser neues Album aufgenommen hatten, bot er uns an, es auf Alternative Tentacles zu veröffentlichen.

Musikalisch verwurstet ihr ja Deathmetal, Metal und Hardcore. Was würdest du denn als deine Einflüsse bezeichnen?
Schwer zu sagen. Ich höre sehr gern ruhige Musik, auch viel Klassik. Deathmetal und so Zeug kann ich überhaupt nicht leiden. Unsere Intention ist es, so laute und extreme Musik wie möglich zu machen, wobei wir auf irgendwelches Posing absolut keine Lust haben. Aber es ist schwer zu sagen, wer von uns drei welchen Einfluss mitbringt, denn wir führen alle ein sehr unterschiedliches Leben. Habato hat einen regulären Job, er arbeitet in einem Plattenladen. Er kifft und trinkt auch ganz ordentlich, während ich überhaupt nicht auf Drogen stehe. Ich habe keinen festen Job, sondern versuche mich mit meinem Label über Wasser zu halten.

Ihr seid in Japan also nicht besonders erfolgreich mit eurer Musik.
Nein, wirklich nicht, haha. Aber das liegt auch am japanischen Musik-Business. Bei uns bist du entweder ganz groß oder ganz klein, Major oder Independent. Dazwischen gibt es nichts.

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