
Ende 2022 verstarb Mimi Parker, Ehefrau von Alan Sparhawk und seine langjährige Mitstreiterin bei den 1993 gegründeten LOW. Die besaßen bis zu ihrem letzten Werk „Hey What“ von 2021 ein immer sehr weit gefasstes Verständnis von Folkrock, in das sie Elemente von Dreampop oder Slowcore integrierten, ebenso wie in späteren Jahren avantgardistische Elektronik-Experimente. LOW-Platten waren immer eine Wundertüte, aber so richtig verzettelten sich Parker und Sparhawk dabei eigentlich nie. 2024 nahm Sparhawk dann das Solo-Album „White Roses, My God“ auf, das wohl als Trauerarbeit verstanden werden sollte und von nicht wenigen Leuten für brillant gehalten wird. Aber selbst in ihren experimentellsten Momenten klangen LOW nicht so stilistisch entgleist wie Sparhawk auf seinem erst zweiten Solo-Album nach „Solo Guitar“ von 2006. Nichts gegen eine Abweichung von Rockmusik-Konventionen, aber was Sparhawk da mit Vocoder-Einsatz fabrizierte, war nur schwer zu ertragen – Neil Youngs „Trans“-Album von 1982 ist dagegen ein verkanntes Meisterwerk. Bei „With Trampled By Turtles“ gibt es jetzt die Rolle rückwärts, denn so konsequent konservativ folkrockig klangen auch LOW schon lange nicht mehr. Aber gerade diese sehr spartanische Herangehensweise und die Intimität der melancholischen wie sehr melodischen Songs machen „With Trampled By Turtles“ zu einem so wunderschönen traditionellen Album, bei dem bei einem Stück auch Sparhawks Tochter Hollis zu hören ist. Dazu gibt das ebenfalls sehr gelungene Artwork von Jay Whitcomb, der sich häufiger von Picasso inspirieren lässt und das man sich sofort an die Wand hängen würde.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Thomas Kerpen