
„Getauft wurde ich im Jahr 1789. Man nannte mich Uran, nach einem Planeten, wie es scheint, der soeben entdeckt worden war.“ Aus der ungewöhnlichen Perspektive dieses für den Bau der ersten Atombombe fundamentalen Elements wird die Geschichte der Entstehung dieser unmenschlich zerstörerischen Waffe anlässlich des 80. Jahrestags der beiden Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki erzählt. Dafür holen die Szenaristen Alcante und Bollée ganz weit aus und beginnen mit einem knappen erdgeschichtlichen Abriss bis zur Entdeckung des Urans, um dann Stück für Stück politische Entscheidungen und wissenschaftliche Ambitionen zu einem umfassenden Gesamtbild zusammenzufügen. Ein „Everest“, wie Zeichner Denis Rodier bemerkt. Zur Sprache kommen in „Die Bombe“ auch sonst oft totgeschwiegene Details wie Menschenversuche mit Plutoniuminjektionen ohne das Einverständnis der Testpersonen. Zusätzlich emotional aufgeladen werden diese harten Fakten mit einer immer wieder eingestreuten, fiktiven Nebengeschichte von zwei japanischen Familien. Inhaltlich wird hier also alles abgedeckt. Einziger Wermutstropfen ist der Softcover-Einband, der zwar für einen angenehm niedrigen Preis sorgt, aber bei 472 geklebten Seiten spätestens in der Mitte der Lektüre zu einer teilweisen Ablösung führt. Dennoch, gerade vor dem Hintergrund der aktuell von den beiden weltweit größten Atommächten angeordneten Wiederaufnahme der Atomwaffentests ruft dieser gut recherchierte Band die nur schwer greifbare Gefahr ins Bewusstsein, die von Waffen dieser Art nicht nur für die Menschheit, sondern das gesamte Leben auf diesem Planeten ausgeht. Ist die ultimative Katastrophe langfristig unausweichlich? Erschreckend.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Anke Kalau