Der immer noch aktive 93-jährige exzentrische Box-Promoter Don King erlangte 1974 Berühmtheit, als er in Kinshasa in Zaire, die heutige Demokratische Republik Kongo, den „Rumble in the Jungle“ veranstaltete, den Kampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman. Ali gewann und wurde erneut unumstrittener Boxweltmeister, sieben Jahre nachdem ihm dieser Titel aus politischen Gründen aberkannt worden war. Aber auch für das Selbstwertgefühl des afrikanischen Kontinents war dieses sportliche Großereignis extrem bedeutsam. Mit diesem Kampf endet auch „Ali“ von Michael Mann, der damit kein Biopic über das gesamte Leben von Muhammad Ali (geboren als Cassius Clay, benannt nach Cassius Marcellus Clay, einem Gegner der Sklaverei im 19. Jahrhundert) drehte, sondern nur ungefähr zehn Jahre seines Lebens thematisierte. In dieser Zeit geht es vor allem um den Verlust und erneuten Gewinn des Weltmeistertitels und Alis politische Ansichten, der den Vietnamkrieg ablehnte und den Wehrdienst verweigerte, und der Organisation Nation of Islam beitrat, weswegen auch der 1965 ermordete Bürgerrechtsaktivist Malcolm X anfangs noch häufig auftaucht. Im Mittelpunkt scheinen hier auch mehr die minutiös und intensiv inszenierten Boxkämpfe zu stehen, während Alis komplexe Persönlichkeit recht bruchstückhaft betrachtet wird, was ohne zusätzliches Hintergrundwissen oft schwer nachzuvollziehen ist. Bad Boy Will Smith kann sich hier in der Hauptrolle auf jeden Fall als ernstzunehmender Darsteller präsentieren. Im Bonusmaterial gibt es auch ein Zusammentreffen mit Smith und dem dann 2016 verstorbenen Ali, der zu dieser Zeit schon schwer von seiner Parkinson-Krankheit gezeichnet ist. Ein „Wie ein wilder Stier“ ist „Ali“ nicht, der jetzt auf Blu-ray neu aufgelegt wurde, ist aber aufgrund seiner starken Schauspiel-Leistungen und beindruckenden Kameraarbeit immer noch äußerst sehenswert.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Thomas Kerpen