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MARATHONMANN

Alles auf Null

Im Zuge der Pandemie wurden manche Bands (aber viel zu wenige ...) erfinderisch. Wie kann man seine Kunst trotz Beschränkungen auf die Bühne bringen? Wenn jemand seine Kompositionen so verändert, wie MARATHONMANN das getan haben, macht man sich als Band nackig. Durch das Auffüllen der notwendigen Reduzierung mit Klavier und Geige, haben MARATHONMANN haben schonungslos offengelegt, dass sie deutlich mehr Pop und Mainstream sind, als ihnen wohl lieb ist. Sicher wird ihnen die eine oder andere Zeile auffallen, die langsamer und deutlicher vorgetragen doch ganz anders wirkt als gebrüllt. Aber MARATHONMANN haben auch gezeigt, dass sie handwerklich viel flexibler und wendiger sind, als man das sonst so wahrnimmt. Und natürlich auch, dass in ihren Songs deutlich mehr steckt („Die Bahn“) und sie sich mit der harschen Variante häufig auch selbst im Wege stehen. Sänger Michi war nie der Fickt-euch-alle-Fronter, die euphorischen Ansagen hier zeigen seine sympathische wahre Seite. Würde die Band etwas mehr gegen ihre eigenen Prinzipien arbeiten und sich häufiger zu den hier stattfindenden Oho-Momenten hinreißen lassen, stünde ihnen ab „Alles auf Null“ eine ganz andere Zielgruppe offen. Damit könnten sie das ausgleichen, was ihnen wegen ihrer teils stark folkloristischen („Wir sind immer noch hier“) Ausbrüche abspringt. MARATHONMANN setzen sich mit diesem Album noch mehr zwischen die Stühle, irgendwann werden sie sich für etwas entscheiden (müssen).