
Jetzt ist es soweit: Gießens aktuell dienstälteste Punkrock-Truppe bringt ihre erste LP raus. Seit 1993 treiben sie ihr Unwesen und bis auf ein paar schrottige Tapes und auf Omas Homecomputer selbstgebrannte CDs ist das also die erste offizielle Veröffentlichung. Die LP ist auf auf 200 Stück limitiert, sowie auf Bandcamp zum Runterladen oder wie das heißt. Auf dem Cover ist ihr Bandlogo zu sehen, eine fette Filzlaus (und keine Zecke, wie fälschlicherweise oft gedacht wird). Wer kleine Kinder hat, weiß wie das mit den Läusen ist: einmal nicht aufgepasst und da sind sie schon wieder. Ähnlich verhält es sich mit den ARNOLDS. Etwa ein- bis zweimal im Jahr kann man sie in der heimischen Umgebung sehen. Von der Musik her würde ich sagen, das ist 1A Silberrücken-Streetpunk mit prekär intellektuellen Texten auf Deutsch und Englisch. Also eine Mischung aus den AMIGOS und Didi Hallervorden auf Proll mit verzerrten Gitarren. Hits wie „Abgefüllt“, „Scheißegal“ und „Gießen Asozial“ sprechen für sich. Letzteres ist übrigens ein Cover von „Bro hymn“ von PENNYWISE. Lässt sich auf jede zweisilbige Stadt anwenden. Das hätte man sich patentieren lassen müssen. Das Verstörende an dem Lied ist, dass es die Torhymne des VFB Stuttgart ist von wegen pennywise = sparsam und Häusle baue. Dass der CURE-Song nicht auf der Platte gelandet ist, liegt entweder an der GEMA oder daran, dass das übliche Publikum total von der Musikalität überfordert wäre. Anekdote: Den Sänger Arnold (der heißt wirklich so) traf ich mal in den 1990ern in einer Kneipe in Berlin zum Bier trinken (was sonst). Als ein Panflötenspieler hereinkam fragte er ihn, ob er das Gelöt mal bedienen dürfe. Der Flötist willigte ein und sofort unterhielt Multitalent Arnold die ganze Kneipe. Das war keine kulturelle Aneignung, sondern grenzüberschreitende Völkerverständigung! Nie vergessen. und jetzt nochmal zur Platte: Überraschend gut! Und wer auf der Bühne ein EXTREME NOISE TERROR-T-Shirt trägt, kann kein schlechter Mensch sein. Die Band wünschte sich einen Verriss, damit kann ich aber nicht dienen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Philipp Lampert