
Mit „Balancing Act“, dem fünften Album, schärfen VINYL FLOOR ihr Profil als eine der eigenständigsten Stimmen im aktuellen Artrock. Das Duo, bestehend aus den zwei Brüdern und Multi-Instrumentalisten Daniel und Thomas Pedersen, arbeitet mit Kontrasten, nicht als Widerspruch, sondern als produktive Spannung. Der Titel ist Programm: Zwischen Intimität und Überhöhung, Kontrolle und Kontrollverlust entsteht ein Sound, der permanent kippt, ohne je das Gleichgewicht zu verlieren. Musikalisch treffen die dunkle Emphase eines Scott Walker auf die späten orchestralen Pop-Ideen der The BEATLES. Entscheidend ist der Beitrag von Bebe Risenfors, dessen Bläser- und Streicherideen dem Album eine latent filmische Tiefe verleihen, ohne ins Illustrative zu kippen. Spätestens die Vorabsingle „Mr. Rubinstein“ zeigt, dass sich hier Unbehagen und Vertrautheit produktiv überlagern. Stücke wie „The swan of Eileen Lake“ bauen hypnotische Spannungsbögen auf, während „Tell the world it happened“ die rockigere,aber harmonisch verschachtelte Seite der Band betont. Zum Ende hin verdichten sich die Themen:„Less dystopian book“ und der Titeltrack kreisen um Halt und Balance in fragilen Zeiten. „Balancing Act“ ist ein Album, das sich nicht aufdrängt, sondern Tiefe anbietet – und genau darin überzeugt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Gereon Helmer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #164 Oktober/November 2022 und Gereon Helmer