
2019/2020 hatte die Band aus Minsk in Belarus ihren Durchbruch, als sie via TikTok viral gingen mit ihrem postsowjetischen Goth/Synth-Wave-Pop. 2020 wurden sie mit ihrem dritten Album „Monument“ vom New Yorker Label Sacred Bones übernommen, es folgten die Pandemie, der Wahlbetrug des belarussischen Diktators Lukaschenko und der Überfall Russlands auf die Ukraine. Die Konsequenz: Die Selbstbeschreibung von MOLCHAT DOMA lautet nun „new wave trio originally from Minsk, Belarus“. Will heißen: die Band ging in die USA ins Exil, kommt ihrer Heimat nicht mehr näher als bei Touren im Baltikum und in Polen. Vier Jahre nach „Monument“ erschien nun „Belaya Polosa“, bei der Gesangssprache Russisch ist es geblieben. Und die Musik? Man tendiert dazu, Bands basierend auf der eigenen musikalischen Sozialisation zu beurteilen. Kennt man die in der ehemaligen Sowjetunion legendären Bands nicht, die damals ihre eigene Version von Post-Punk entwickelten, greift man natürlich zu Vergleichen mit den einem bekannten „West-Bands“, denn wem sind etwa KINO aus Leningrad geläufig, die von Egor Shkutko, Roman Komogortsev und Pavel Kozlov als Einfluss genannt werden? MOLCHAT DOMA haben sich auf ihrem vierten Album trotz fundamental anderer Umstände nicht so stark verändert, wie man das vermuten könnte. Die Dunkelheit, der Eighties-Vibe sind geblieben, aber da ist bisweilen auch so ein Neonglanz, wie man ihn mit dem nächtlichen Los Angeles verbindet, ihrer neuen Heimat. OMD und DEPECHE MODE bleiben markant, aber da sind auch AIR oder ANIMOTION – fast schon euphorische Klänge mischen sich mit dem Mystischen, Dunklen, das sie bislang prägend auszeichnete. Ein faszinierender Hybrid, aber nicht so stark und zwingend, wie erhofft.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Joachim Hiller
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