
Vor kurzem bin ich an einer öffentlichen Toilette vorbeigelaufen und habe mich gefragt, wie lange sich Frauen das noch gefallen lassen: 15 von ihnen standen an, bei den Männern: niemand. Harmlos, meint man vielleicht. Was die Journalistin Rike van Kleef aber mit dem Blick auf Diskriminierung von Frauen, Lesben, Inter-, nicht-binären, Trans- und A-gender-Personen in der Musikbranche beschreibt, fängt eben mit so „kleinen“ Dingen wie der einzigen Dusche für Frauen (nicht abschließbar) auf dem Parkplatz eines Festivalgeländes an. Rike van Kleef zieht Studien und Interviews heran, um den strukturellen Sexismus zu verdeutlichen: es geht vom Booking über die Bedingungen nicht-männlicher Bands bis hin zu K.o.-Tropfen auf einem Festival. Völlig baff war ich bei der Beschreibung eines Symptoms für „netten Rassismus“ (Gregg Deal): Ein:er vietnamesisch-deutschen Musiker:in wurde in einem Beitrag zu einem Festival auf einem Foto schon mal die Haut „aufgehellt“. Solche Vorfälle sind erschreckend – und zeigen, was in der Branche tatsächlich schiefläuft. Die Autorin vergisst auch andere marginalisierte Gruppen nicht, wie etwa Menschen mit Behinderung, die Barrierefreiheit oft noch als große Ausnahme erleben. Kapitel 11 beschreibt dann zig praktikable Lösungsmöglichkeiten – von schlichter Sensibilisierung über eine andere Arbeitsplatzkultur, besser gesteuerte Fördermittelvergabe bis hin zu Equal Pay –, die man nach und nach oder auch kreuz und quer umsetzen könnte. Mit „Billige Plätze“ ist Rike van Kleef damit ein richtig produktives Buch gelungen, in dem an vielen Stellen natürlich auch gemeckert wird. Zu Recht.