
1988 erschien das fünfte Album der COCTAU TWINS, „Blue Bell Knoll“. Nach dessen Veröffentlichung kommentierte 4AD-Chef Ivo Watts-Russell den Gesang von Sängerin Elizabeth Fraser auf diesem Album mit den Worten: „Sie singt am besten, seit sie ihre höhere Stimmlage entdeckt hat.“ Fraser selbst bezeichnete „Blue Bell Knoll“ retrospektiv als „das einfachste Album“, das sie je gemacht hatte. Während ihrer gesamten Karriere versuchten die COCTEAU TWINS, sich einer musikalischen Definition zu entziehen. Autor Chris Tapley analysiert „Blue Bell Knoll“ aus allen Richtungen und liefert ein dezidiertes Porträt des britischen Trios, das auch die Genres Dreampop – der Nachfolger „Heaven Or Las Vegas“ (1990) wurde von Pitchfork 2018 als das beste Dreampop-Album überhaupt bewertet – und Shoegaze „mitbegründet“ hat, trotz allem Kampf der Musiker mit Selbstzweifeln, sturen Prinzipien und purem Experimentieren. Ihre Texte waren mitunter ein gut gehütetes Geheimnis, ihre transzendenten Sounds klangen atmosphärisch dicht und bei Interviews waren sie notorisch wortkarg. Die Musik, so ihr Credo, sollte ausschließlich für sich selbst sprechen. Die Songs sind oft experimentell, komplex instrumentiert und mitunter mit Pathos in Szene gesetzt. „Blue Bell Knoll“ ist das erste Album, das sie komplett im eigenen Studio aufgenommen haben und so das Mischpult austestet. Bassist und Gitarrist Running Raymonde betont, was die Arbeit an diesem Album so besondersmachte, auch verglichen mit den Vorgängern: „Es fühlte sich wirklich wie eine Zeit der Kreativität und Freiheit an, wir kamen alle musikalisch und menschlich gut miteinander aus, Liz und Robin waren gerade dabei, ein Baby zu bekommen, ich war dabei zu heiraten.“
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Markus Kolodziej