Foto

BORED TEENAGERS - Ein Punk-Mixtape

Jonas Engelmann (Hg.)

1976, das „offizielle“ Geburtsjahr von Punk. Allenthalben laufen teils seltsame Beiträge an, um das zu feiern oder zu würdigen. Der Mainzer Ventil Verlag tut das auch, auf gewohnt souveräne Weise – eine, die bereits vor Jahren mit der Textsammlung „Damaged Goods“ erfolgreich erprobt wurde: man bittet Menschen aus der deutschsprachigen punkaffinen Musikszene um knappe, knackige Beiträge. Diesmal nicht zu ganzen Alben, sondern zu einzelnen Songs, zu denen diese Personen meist autobiografisch geprägt anekdotisch etwas zu erzählen haben. Win-win-win: Man erfährt so etwas über die Lieder, über Punk (im weitesten stilistischen Sinne) und die Verfassenden selbst. Und das in 200-facher Ausführung. Von (Semi-)Prominenten aus der Musiker:innen- und Autor:innen-Szene, der Sache geschuldet eher Ü- als U30. Punk eben. Rebellionsmusik für Arrivierte. Die Auswahl der Songs bietet selbst kritischen Musik-Connaisseuren nur mit viel böser Absicht Grund zur Kritik, von den 1960ern an (Ha! 60 Jahre Punk! THE SONICS!), über die 1970er (Patti Smith, SUICIDE, THE STOOGES), die 1980er (WIPERS, HÜSKER DÜ, JOY DIVISION – Joachim Hiller schreibt über „Love will tear us apart), die 1990er (NOFX, SONIC YOUTH, TURBONEGRO), 2000er (AGAINST! ME, AT THE DRIVE-IN) bis in die Gegenwart (THE NOTWIST von Kompilierer und Herausgeber Jonas Engelmann) reicht das Programm, und die Lesefreude ist groß, erhellende Einblicke beschert jede Seite. „Bored Teenagers“ ist der erste Teil, im Mai 2026 folgt nach dem gleichen Muster „Angriff aufs Schlaraffenland – Ein Deutschpunk-Mixtape“. Das hier ist Schwarmintelligenz in Bestform: Deutungshoheit verteilt auf hunderte Klugscheißer:innen.

Anzeige