Foto

BOULEVARD DER DÄMMERUNG

Der in Österreich geborene jüdische Hollywood-Veteran Billy Wilder, der bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 in Berlin lebte, ist vor allem für seine unbeschwerten Komödien wie „Manche mögen’s heiß“ (1959) oder „Eins, Zwei, Drei“ (1961) bekannt. Frühere Filme wie sein Alkoholikerdrama „Das verlorene Wochenende“ von 1945, „Frau ohne Gewissen“ (1944) oder „Reporter des Satans“ (1951) waren deutlich ernsthaftere und zum Teil regelrecht zynische Angelegenheiten. Das gilt auch für seine sarkastische Abrechnung mit der Traumfabrik Hollywood in „Boulevard der Dämmerung“ („Sunset Boulevard“), eine Mischung aus Film noir und Liebesdrama, die durch ihre düsteren Schwarz-Weiß-Bilder ähnlich wie „Das verlorene Wochenende“ teilweise wie ein morbider Horrorfilm anmutet. Zumal der Erzähler des Films die in einem Swimming Pool schwimmende Leiche eines erfolglosen Drehbuchautors (William Holden) ist, die man gleich in der ersten Szene zu sehen bekommt. Auf Blu-ray hatte Paramount Wilders Film bereits veröffentlicht, zum 75. Geburtstag gibt es jetzt eine limitierte Jubiläums-Edition mit 4K UHD und Blu-ray im Pappschuber mit einigen Goodies wie Postern, Fotobuch oder Art-Cards. Das umfangreiche Bonusmaterial der US-Veröffentlichung (auf dem Cover steht sogar „mit über zweieinhalb Stunden Bonusmaterial“) wurde hierzulande ärgerlicherweise unterschlagen. Zumindest die 4K-Bildqualität überzeugt und Wilders oscarprämierter Film ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Darin gerät ein mittelloser Drehbuchautor in die Fänge einer frustrierten Hollywood-Diva, ehemals ein Star der Stummfilmära, die den Übergang ins Tonfilmzeitalter nicht geschafft hatte und in ihrer heruntergekommenen Villa alten Zeiten nachtrauert, gespielt von Gloria Swanson, deren Karriere ähnlich, aber weniger tragisch verlief.

Anzeige