Foto

BRIAN ENO, HOLGER CZUKAY, J. PETER SCHWALM

Sushi. Roti. Reibekuchen

„Ich würde mir lieber Nägel in den Hodensack schlagen, als auf Tour zu gehen“, ist ein sehr schönes Zitat, aber leider relativ wertlos ohne konkrete Zeit- und Quellengabe. Zugeschrieben wird es Brian Eno, Anfang der 1970er Jahre Keyboarder und Mitbegründer von ROXY MUSIC, später dann Pionier im Bereich Ambient-Musik und Produzent (U2). Mit ROXY MUSIC stand Eno noch auf der Bühne, danach war er tatsächlich hauptsächlich im Studio anzutreffen. Insofern ist dieser Auftritt von 1998 in der Bundeskunsthalle in Köln anlässlich einer Multimedia-Installation von Eno durchaus ein Unikum. Zumal hier mit dem inzwischen leider schon verstorbenen Holger Czukay auch noch eine Legende im Bereich Krautrock auf der Bühne stand, dem Eno bereits Ende der 1970er begegnet war, als er mit Hans-Joachim Roedelius und Dieter Moebius von CLUSTER zusammengearbeitet hatte. Der Dritte im Bunde ist J.P. Schwalm, dessen Band SLOP SHOP mir bisher kein Begriff war. Von dem ursprünglich dreistündigen Auftritt wurde jetzt eine Stunde in exzellenter Qualität auf LP und CD konserviert. Trotz des Improvisationscharakters des Ganzen handelt es sich dabei um ein musikalisch spannendes und künstlerisch anspruchsvolles Aufeinandertreffen zweier Pioniere experimenteller Musik, die hier mit nervöser Aphex Twin-artiger Rhythmik Ambient- und Drone-Strukturen neue Seiten abgewinnen können.

Anzeige