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BROTHERHOOD

Bescheuerte Aufnahmerituale von Studentenverbindungen an amerikanischen Hochschulen werden ja nicht das erste Mal in einem Film thematisiert, hierzulande schüttelt man dazu eher ungläubig den Kopf. In den typischen amerikanischen Frat-Komödien ist das Ganze dann zumindest noch irgendwie lustig, in Will Canons Spielfilmdebüt (basierend auf seinem Kurzfilm ROSLYN von 2001) nimmt dieses zynische Initiationsritual allerdings einen unangenehmen Verlauf, insofern wäre „ Very Bad Things In A Frat House“ tatsächlich ein guter Alternativtitel für BROTHERHOOD.

Gesehen hat man das alles natürlich irgendwie schon mal: denn als ein paar studentische Neulinge als Mutprobe eine Tankstelle überfallen sollen, um um genau 19 Dollar und 10 Cent zu stehlen – zumindest sollen sie das glauben –, geht bei einem der Aspiranten diese Aktion schief, plötzlich wird die Luft wirklich bleihaltig, und es fließt viel Blut.

Der schwer verletzte „Bruder“ (Lou Taylor Pucci aus THUMBSUCKER) wird im Verbindungshaus zwischengelagert, denn zur Polizei oder ins Krankenhaus kann und will man deswegen natürlich nicht, die spätere berufliche Karriere könnte ja Schaden nehmen, aber im Bemühen, die ganze Schweinerei wieder aus der Welt zu schaffen, wird alles nur noch schlimmer, und man steuert unaufhaltsam auf die Katastrophe zu.

Vollkommen glaubwürdig mag BROTHERHOOD dabei nicht immer sein, aber dafür besitzt Canons Film eine kinetische Energie, die ihn zusammen mit den involvierten gruppendynamischen Prozessen zu einem durchgängigen Adrenalinstoß macht, der einem kaum Zeit zum Luftholen lässt.

Ein schneller, harter und schmutziger B-Film mit letztendlich doch wieder sehr moralischer Botschaft, der für das, was er zum Ausdruck bringen will, genau die richtigen Bilder findet und auf den üblichen überflüssigen inhaltlichen Ballast verzichtet.

Und der seine Hauptdarsteller überraschenderweise zum größten Teil als frauenfeindliche, rassistische und selbstsüchtige Volldeppen dastehen lässt, die kaum zur Identifikation einladen („Brother or bitch, what’s it going to be?“).

Eine mitreißende Achterbahnfahrt in abstoßende Bereiche menschlicher Hysterie – die viel zu schade ist, um in irgendwelchen Videothekenregalen zu vergammeln –, und ein bemerkenswertes Paradebeispiel für stringent und ökonomisch umgesetztes Genrekino.

Sehr sehenswert!