
Das Filmplakat von Tinto Brass’ Skandalfilm „Caligula“, auf dem die Nachbildung einer römischen Münze mit dem Konterfei dieses berüchtigten römischen Kaisers beziehungsweise seines Darstellers Malcolm McDowell (bekannt aus Kubricks „Uhrwerk Orange“ von 1971) zu sehen ist, aus dessen Auge Blut läuft, strahlt ähnlich wie der in Deutschland nur zensiert veröffentlichte Film eine bis heute anhaltende Faszination auf mich aus. Um das Leben Caligulas, der sich durch persönliche Schicksalsschläge zu einem immer wahnsinniger agierenden Gewaltherrscher entwickelte und nach nur vier Jahren Regierungszeit im Alter von 28 Jahren Opfer eines Attentats wurde, ranken sich ähnlich viele Skandalgeschichten und Mythen wie um die Ende der 1970er entstandene Verfilmung. Bei der bekamen sich Drehbuchautor Gore Vidal („Ben Hur“) und Regisseur Brass (der zuvor mit „Salon Kitty“ einen ähnlich provokanten Film über ein Nazi-Bordell gedreht hatte) auf so unversöhnliche Art in die Haare, dass schließlich beide nichts mehr mit dem Film zu tun haben wollten. Das zweieinhalbstündige Endprodukt entsprach dann vor allem den Vorstellungen von Produzent und Penthouse-Boss Bob Guccione, der einen pornographischen Film für das Mainstreampublikum drehen wollte. 2018 erschien „Caligula“ hierzulande endlich mal in ungeschnittener Form offiziell auf DVD und Blu-ray. Inzwischen gefolgt von einer 4-Disc-UHD-Edition, zusätzlich mit einer 2023 entstandenen, 20 Minuten längeren, aber sicher nicht ultimativen Schnittfassung, die mit neu entdecktem alternativen Filmmaterial versuchte, „Caligula“ im Sinne von Vidal ohne Gucciones nachträglich eingefügte Hardcore-Szenen zu rekonstruieren, bei der die Schlüsselszenen natürlich erhalten geblieben sind. Leider wurde die sehr schöne Musik von Bruno Nicolai durch einen unpersönlichen Synthie-Score ersetzt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #141 Dezember/Januar 2018 und Thomas Kerpen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Thomas Kerpen