
Ach, Französisch kann so charmant klingen: Als „formation Post-Punk toulousaine“ beschreibt sie ihr Label, „Poison“ ist ihr fünftes Album, eingespielt ganz frisch Anfang 2025. Das titellose Debüt kam 2016, seitdem hat das Quartett eine gute Schlagzahl drauf – und eine entspannte Herangehensweise ans Aufnehmen: live im Studio, in ein paar Takes, kein Verkünsteln. Auf Fotos inszenieren sie sich fast schon dandyhaft vom Kleidungsstil her, das sieht eher nach Sixties-Garage als nach Düsterfraktion aus, und den Eindruck bestätigen auch die 13 englischsprachigen Songs. Da sind einerseits eine gewisse dunkle Schwermut und ein grollendes Bassfundament, aber es finden sich auch harsche, funky Einwürfe und Spaß an einer gewissen noisigen Atonalität. Aber wer Post-Punk schreibt, impliziert auch eine finstere Flächigkeit – die man hier aber nicht findet. CATHEDRALE machen so ziemlich ihr eigenes Ding, auch wenn man hier und da Anküpfungspunkte findet, um sie – wäre man Booker – guten Gewissens ins Vorprogramm von Bands wie IDLES oder THE MURDER CAPITAL zu holen. Ich mag ihren pumpenden Beat („Cravings“), die drängende, noisge Gitarre, die eher gesprochenen, deklamatorischen Vocals, den Spaß an Melodien und ihren eher rock’n’rolligen Ansatz. Was es mit den beiden aufeinanderfolgenden „strahlenden“ Songs „Radium“ und „Polonium“ auf sich hat, bleibt ungeklärt: der Platte liegt leider kein Textblatt bei. Weiß-grünes Vinyl.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Joachim Hiller