
Dem in New York geborenen Regisseur Abel Ferrara – New York war auch oft der Schauplatz seiner Filme – haben wir einige kontroverse Kultfilme zu verdanken wie „The Driller Killer“ (sein Spielfilmdebüt von 1979, wenn man den 1976 entstandenen Porno „9 Lives of a Wet Pussy“ unterschlägt), „Die Frau mit der 45er Magnum“ (1981), „King of New York“ (1990) oder „Bad Lieutenant“ (1992). Seit den 2000er Jahren dreht Ferrara leider nur noch fürchterlichen Murks. Großen Anteil an der Qualität seiner frühen Filme hatte sicherlich die Zusammenarbeit mit Drehbuchautor Nicholas St. John, der an allen oben erwähnten Filmen beteiligt war, bis auf „Bad Lieutenant“, wo den Katholiken St. John einige blasphemische Elemente störten (beim Porno „9 Lives of a Wet Pussy“ hatte er weniger Bedenken). St. John war ebenfalls der Drehbuchautor von „China Girl“, der auf Video auch unter dem Titel „Krieg in Chinatown“ bekannt war. Leider war der Film auf Video immer um eine 30-sekündige Gewaltszene geschnitten, zudem erschien er nur in Vollbild, was doch recht stark den schön arrangierten Bildkompositionen von Bojan Bazelli schadete, der auch Kameramann von „King of New York“ war. Die DVD-Veröffentlichung von 2009 präsentierte den Film dann ungeschnitten und im richtigen Bildformat, die aktuell erschienene Blu-ray Amaray-Edition (zuvor gab es schon mal ein Mediabook) besitzt zwar ebenfalls kein Bonusmaterial (bis auf den Trailer), dafür aber deutsche Untertitel für die Originalfassung. Für mich war „China Girl“ immer ein unterbewerteter Film in Ferraras Schaffen, der eine modernisierte Version von „Romeo und Julia“ inmitten der Bandenkriege von Little Italy und Chinatown ansiedelte, geprägt von unüberbrückbaren ethnischen Konflikten, und diese düster-romantische Teenager-Liebesgeschichte mit „West Side Story“- und „Hexenkessel“-Anklängen anreicherte.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #87 Dezember 2009/Januar 2010 und Thomas Kerpen
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