
Nur weil ein Original aus vielerlei Gründen Kultcharakter hat, heißt das nicht, dass man die Idee nicht fortsetzen sollte. Nun ist die den Film von George A. Romero (das Drehbuch schrieb Stephen King) begleitende Comicadaption von „Creepshow“ aus der Feder von Bernie Wrightson ein Monolith der Comickunst, zumindest stilistisch kaum zu toppen, dazu ist der Stil von Wrightson einfach zu einzigartig. Die Art des Storytellings, makaber, gruselig und witzig zugleich, lässt sich aber problemlos weiterführen. Statt also auf nur einen Zeichner zu setzen, gibt es hier für jede Story einen anderen, und damit einen anderen Stil, der vom klassischen Pulp bis zu moderneren Varianten reicht. Gefällt mir zeichnerisch mal mehr, mal weniger, und es wird bei fast jedem ein wenig anders gewichtet sein. So gefallen mir die Geschichten „Einer pro Nase“ und „Haar“ am besten. Der großformatige Band versammelt die ersten fünf Originalausgaben mit jeweils zwei Storys auf satten 128 vollfarbigen Seiten, von denen jede einzelne locker im Stile der beiden „Creepshow“-Filme umsetzbar wäre. Ob eine Geschichte nun eher in den ersten oder den etwas schwächeren zweiten Teil gekommen wäre, mag jede:r für sich selbst entscheiden. Ich würde sagen 50:50, wobei die einen durch eine Realverfilmung dazugewinnen würden. Das Beste an der Sache ist, dass „Creepshow“ nicht mit diesem einen Band endet, ein zweiter ist bereits in Vorbereitung und wartet mit weiteren großen Namen auf. Für die, die mit „Creepy“, „Gespenster Geschichten“ oder anderen Comics aus dieser wunderbaren Sparte aufgewachsen sind, gibt es endlich wieder gut gemachtes Futter mit diesem feinen Humor, dem man sich nur sehr schwer entziehen kann.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Kalle Stille