
Es gibt Künstler, die komplett an einem vorbeilaufen, wie der Berliner Chris Imler, dessen Namen man durchaus schon mal gehört haben könnte, da er bereits zwei Platten bei Staatsakt veröffentlicht hat und Schlagzeuger bei DIE TÜREN ist, der Band von Maurice Summen, wegen der er sein Label Staatsakt überhaupt erst gegründet hat. „The Internet Will Break My Heart“ (ja, da wird er wohl nicht der Einzige sein) ist Imlers zweites Album für Fun In The Church, was wiederum ein Sublabel von Staatsakt ist. Irgendwie musikalisch verbandelt ist Imler auch mit JA, PANIK und Jens Friebe, man befindet sich hier also in einem eher popkulturellen Umfeld, wo dann auch noch die französisch-belgische Künstlerin Naomie Klaus im Song „Agoraphobie“ auf „The Internet Will Break My Heart“ auftaucht, über deren Künstlernamen ein gewisser Herr Nomi sicher sehr hätte lachen müssen. Tatsächlich ist Imlers Album aber richtig gut, dem man in rhythmischer Hinsicht deutlich anmerkt, dass er hauptberuflich Schlagzeuger ist. Gelangweilter deutsch-englischer Falco-Sprechgesang trifft hier auf minimalistischen, kantigen und überwiegend finsteren Synthpop, der DAF, SUICIDE und Fad Gadget zitiert (auch die „Hamburger Lady“ von THROBBING GRISTLE lugt hier mal um die Ecke), ohne dass man Imler dabei fehlende Originalität vorwerfen müsste. Mein Interesse ist geweckt, nur der komisch abstrakte violett-pinke KI-Pudel auf dem Cover irritiert.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Thomas Kerpen