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GINSENGWURZELN

Craig Thompson

In den USA arbeiten sehr viele Verlage inzwischen mit Sensitivity Readern zusammen. Diese klopfen Texte auf Wort- und Inhaltsebene auf Vorurteile und Stereotype ab. Auch Craig Thompsons „Ginsengwurzeln“, das sich aus einer sehr persönlichen Perspektive mit der Genese einer aus dem asiatischen Raum stammenden Pflanze (überwiegend, aber nicht nur) auf amerikanischem Boden befasst, hätte dieses Screening durchlaufen müssen, um beim renommierten Comicverlag Fantagraphics erscheinen zu dürfen. Da die Weisungen des Sensitivity Readers bindend gewesen wären, lehnte Thompson ab und veröffentlichte stattdessen bei Pantheon. Die Perspektive des Autors ist hier sicherlich nicht immer ganz objektiv und wertungsfrei, aber gerade das macht den Reiz dieser seltsamen Kombination aus autobiografischen Elementen, animistischen Einlagen, gezeichneten Interviews und Sachinformationen aus. Thompson erzählt hier einige Episoden aus seiner Kindheit und Jugend, die er in seiner 2003 erschienenen Durchbruch-Graphic-Novel „Blankets“ ausgespart hat. Auch lässt er seine Familie selbst zu Wort kommen, indem er wesentliche Passagen in der Gegenwart ansiedelt und auch die Entstehung der Graphic Novel selbst zum Thema macht. Seine schmerzhafte Sehnen- und Bindegewebserkrankung bilden dabei die zentrale Nahtstelle zwischen den einzelnen Bereichen: Er vermutet einen Zusammenhang mit der körperlich anstrengenden und pestizidbelasteten Arbeit auf verschiedenen Ginsengfarmen in Marathon, Wisconsin in den 1980er Jahren. Ironischerweise war es seine Gier nach neuen Comics (und der damit einhergehende Geldbedarf), die ihn damals in die Ginsengfelder trieb. Ein Kreis schließt sich. Eine aufschlussreiche und lesenswerte Angelegenheit.

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