
Wofür die Abkürzung P.A.I.N. steht? Siehe propagandaandinformationnetwork.com – die Domain mit dem womöglich längsten Namen der Welt. Nach 25 Jahren haben die britischen „ragamuffin punk reggae stalwarts“ das getan, was wohl niemand mehr für möglich gehalten hatte: sie haben ein neues Album aufgenommen. Mit zehn Songs in ihrem unverkennbaren Style, den so heutzutage kaum noch eine Band spielt und den sie als „heavy dub reggae, good time ska, pissed off punk rock“ bezeichnen. Musikalische Vergleiche? Da landet man bei den Vorgängerbands, aus denen sie 1995 hervorgingen, A.O.S.3. und RADICAL DANCE FACTION. Ähnliche Sounds gibt es heute eigentlich nur noch von Dick Lucas und CITIZEN FISH und INNER TERRESTRIALS. P.A.I.N. sind sich auf „Crisis Time“ treu geblieben, spielen bis heute Shows, allerdings viel zu selten in Deutschland. 1996 erschien ihr epochales Album „Oh My God! We’re Doing It!“ mit dem aufrührerischen „Punx with guns“, 2000 kam „O.U.C.H. (Our Universe Commences Here)“ ... und dann, außer Neuauflagen, nichts mehr. Die LP, gepresst in grasgrünes Vinyl und ergänzt um ein Textblatt, ist inhaltlich ein Manifest gegen ein Post-Brexit-Großbritannien, in dem letztlich all das, was die Band in den 1990ern anklagte, noch schlimmer geworden ist. Nicht mal in der Herzensangelegenheit, dem Kiffen einfach so zum Spaß, hat sich in UK seitdem grundsätzlich was getan, der Besitz ist weiterhin strafbar, kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden, wobei im Alltag die Praxis etwas laxer ist. Kein Grund für P.A.I.N., ihren diesbezüglichen Aktivismus – siehe „Grow more weed“ in der Neuauflage – zu reduzieren. Einen zusätzlichen Reiz entwickelt das Album durch die Einbindung kurzer Sequenzen aus Nachrichtenmeldungen – eine smarte Methode, um schnell Kontext herzustellen. Alles in allem ein solides Comeback, allerdings hätte das Album für meinen Geschmack noch etwas bissiger und schärfer ausfallen dürfen – weniger bei den Dub/Reggae-Nummern, als bei den Punksongs, „Dirty bomb“ steht hier etwas allein.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #49 Dezember 2002/Januar/Februar 2003 und Simon Brunner
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