
Albert Pyuns „Cyborg“ ist einer dieser billigen Actionfilme der 1980er Jahre, die damals die Videotheken bevölkerten und mit reißerischem Cover zu kaschieren versuchten, dass der Streifen selbst für eine FSK 18-Freigabe noch ordentlich Federn lassen musste. Die Indizierung ließ dann nicht lange auf sich warten, von der „Cyborg“ 2012 befreit wurde. Seitdem gab es schon einige ungeschnittene DVD- und Blu-ray-Releases, jetzt wurde dieser Videotheken-Schund veredelt im Mediabook veröffentlicht. Nicht enthalten ist der Director’s Cut, den Pyun 2013 selbst zusammengebastelt hatte und der auch andere Musik enthält. Pyun, der auch schon mal als neuer Ed Wood bezeichnet wurde, drehte in seiner vierzigjährigen Karriere über 50 Low-Budget-Filme, angefangen 1982 mit dem Fantasy-Streifen „Talon im Kampf gegen das Imperium“. Insofern war er der richtige Mann für die überambitionierte Trash-Schmiede Cannon von Menahem Golan und Yoram Globus, die Pyun mit läppischen 500.000 Dollar diesen Endzeit-Actionfilm drehen ließen. Pyun bediente sich dafür ein wenig bei James Camerons „Terminator“, ebenso wie beim postapokalyptischen Look von „Mad Max II – Der Vollstrecker“, und vermischte Martial Arts-Action mit Cyberpunk-Thematik – Kostüme und Kulissen stammten von den nicht umgesetzten Cannon-Produktionen „Spider-Man“ und „Masters of the Universe 2“. Amüsant ist, dass die Charaktere Namen von Musikinstrumenten-Herstellern tragen, und so heißt Hauptdarsteller Jean-Claude Van Damme im Film Gibson Rickenbacker. „Cyborg“ war zudem ein weiterer schwacher Versuch, „The Muscles from Brussels“ ähnlich wie Arnold Schwarzenegger (dessen Bodybuilder-Kollege Ralf Moeller in „Cyborg“ eine lustige Nebenrolle hat) als neuen Actionstar aufzubauen, der zuvor mit reichlich stumpfen Kampfsport-Filmen wie „Karate Tiger“ und „Bloodsport“ bereits einen gewissen Erfolg hatte.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Thomas Kerpen