DARLING

Wer den grandiosen „Der Marathon-Mann“ des britischen Regisseurs John Schlesinger aus dem Jahr 1976 zu seinen Lieblingsfilmen zählt, bekommt es bei „Darling“ mit einer ganz anderen Art von Film zu tun. Dass Sofia Coppola ein großer Fan von „Darling“ ist, verweist bereits darauf, dass es sich um einen Film mit bedeutsamer feministischer Note handelt, der auch ein experimentierfreudiges Produkt der „Swinging Sixties“ ist, eine Zeit des gesellschaftlichen, kulturellen und modischen Aufbruchs Mitte der 1960er Jahre. Und wenn man sich die finalen Szenen von Schlesingers Film anschaut, fragt man sich, inwieweit Grace Kelly, die 1956 ihre Karriere als Schauspielerin beendete und Fürst Rainier III. von Monaco heiratete, wohl eine Inspirationsquelle für die Hautfigur von „Darling“ war, die von Julie Christie gespielte Diana Scott, die als Model und Schauspielerin von der großen Karriere träumt und sich zur Erfüllung dieses Traums auch mit jeder Menge, meist deutlich älterer Männer einlässt. Dieses vermeintlich aufregende Leben hält auch reichlich Rückschläge parat, wie etwa Einsamkeit und eine Abtreibung. Auch wirkliches Glück oder die wahre große Liebe bleiben ein unerfüllter Wunschtraum – zuletzt sitzt die freiheitsliebende, auf bürgerliche Konventionen pfeifende Diana in einem goldenen Käfig und hat mehr verloren als gewonnen. Das Lexikon des Internationalen Films bezeichnete die unmoralische Heldin als „karrieresüchtiges Luder“, aber unterschlug dabei die immer noch gut spürbaren emanzipatorischen Bestrebungen dieser widersprüchlichen und tragischen Frauenfigur. Schlesingers schon alleine in formaler Hinsicht immer noch sehr sehenswertes Schwarzweiß-Drama wurde jetzt das erste Mal ungeschnitten auf Blu-ray veröffentlicht (Kino- und TV-Fassungen waren gekürzt), als gelungene 4K-Restauration und versehen mit etwas Bonusmaterial.

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