DAS GESTOHLENE LUFTSCHIFF

Neben „Die Erfindung des Verderbens“ (1958) und „Auf dem Kometen“ (1970) ist „Das gestohlene Luftschiff“ die dritte von Jules Verne inspirierte Regiearbeit des tschechischen Animationsfilm-Pioniers Karel Zeman. Erschienen „Die Erfindung des Verderbens“ und „Das gestohlene Luftschiff“ auf DVD und Blu-ray in sehr schön restaurierten Fassungen mit zusätzlichen Featurettes zu Zeman sowie den jeweiligen Filmen, muss man bei „Auf dem Kometen“ weiterhin mit einer qualitativ unbefriedigenden, schon älteren DVD-Veröffentlichung vorlieb nehmen. „Das gestohlene Luftschiff“ basiert auf Vernes Roman „Zwei Jahre Ferien“ von 1888, der mir von den Werken dieses französischen Begründers der Science-Fiction-Literatur neben „Der Kurier des Zaren“ und „Reise um die Erde in 80 Tagen“ am stärksten in Erinnerung geblieben ist. Denn das ZDF hatte Mitte der 1970er ähnlich wie bei „Der Kurier des Zaren“ von „Zwei Jahre Ferien“ einen populären und sehr gelungenen TV-Vierteiler produziert. Im Gegensatz zur werkgetreuen Umsetzung von „Die Erfindung des Verderbens“ verarbeitete Zeman in „Das gestohlene Luftschiff“ noch andere Verne-Romane. Darin geht es um ein paar Lümmel, die sich ähnlich wie in die in „Reise in die Urzeit“ auf eine abenteuerliche Odyssee begeben, in diesem Fall mit einem gestohlenen Luftschiff. Parallel dazu schildert Zeman die Jagd unterschiedlicher Parteien auf den Ballon, der angeblich mit neuartigem explosionssicheren Gas gefüllt ist, wo sich sein Sinn für humorvolle Absurditäten zeigt. Ähnlich gelungen wie in „Die Erfindung des Verderbens“ greift Zeman die Atmosphäre des ausgehenden 19. Jahrhunderts auf und arbeitet wieder mit einer faszinierenden Mischung aus Realfilmsequenzen und an Radierungen erinnernden Collage-Animationen, die durch Schraffuren eine verblüffende Räumlichkeit erzeugen.

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