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DAS PHANTOM DER OPER

Paul & Gaëtan Brizzi

Nach „Dantes Inferno“, „Der Untergang des Hauses Usher“, „Don Quijote“ und „Tolldreiste Geschichte“ nehmen sich die Brüder Gaëtan und Paul Brizzi mit Gaston Leroux’ „Phantom der Oper“ einen weiteren Klassiker vor – in diesem Fall einen der französischen Literatur. Die Story ist hinlänglich bekannt: Eine unbekannte Sängerin kann durch eine Verkettung seltsamer Zufälle auf der großen Bühne der Pariser Oper auftreten und zu Ruhm gelangen. Wie sich später herausstellen sollte, war es das Ergebnis des Betreibens ihres heimlichen Verehrers, einem von Geburt an entstellten Mann, der sein Gesicht mit einer Maske bedeckt, um das seine Mitmenschen verschreckende Antlitz zu verbergen. Es entspinnt sich eine wilde Jagd mit (damals) exotischen Gastauftritten durch ein versponnenes Labyrinth in den Katakomben unter dem Opernhaus. Die Botschaften sind klar: Systematische Ausgrenzung führt zu unmenschlichem Verhalten, Liebe braucht Freiheit, kein Mensch darf von einem anderen komplett kontrolliert werden. Wer keine Lust auf das recht sperrige Original hat, aber auch vor der kitschigen Andrew Lloyd Webber-Musicalversion zurückschreckt, ist mit dieser in skribbeliger Grafittechnik leicht karikaturistisch überzeichnet zu Papier gebrachten Graphic Novel gut bedient. Großen Tiefgang sollte hier aber angesichts der bereits vorhandenen Unzulänglichkeiten des Ausgangsstoffs aus dem frühen 20. Jahrhundert (Erstveröffentlichung 1909/10) niemand erwarten. Zwar wurden einige Handlungsstränge chronologisch anders angeordnet oder Komponenten leicht angepasst, insgesamt orientieren sich die Brizzi-Brüder aber, wie gewohnt, sehr stark an Leroux’ berühmter Vorlage.

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