
Das Cover von Alain Robbe-Grillets jetzt zum ersten Mal hierzulande auf DVD und Blu-ray veröffentlichten Films „Das Spiel mit dem Feuer“ (eine akkurate Übersetzung des Originaltitels „Le jeu avec le feu“) ist in gewisser Weise eine Mogelpackung. Denn dort sieht man die niederländische Schauspielerin Sylvia Kristel, die aber nur in einer Nebenrolle im Film auftaucht (natürlich unbekleidet). Die hatte ein Jahr zuvor durch ihre Hauptrolle in Just Jaeckins Erotikfilm „Emmanuelle“ größere Bekanntheit erlangt und war auch in einigen „Emmanuelle“-Nachfolgefilmen zu sehen. Robbe-Grillets Film muss hierzulande mal Mitte der 1970er im Kino gelaufen sein, zumindest stammt die deutsche Synchronisation aus dieser Zeit, in der Horst Niendorf Philippe Noiret spricht und Norbert Langer Jean-Louis Trintignant. Die Bildqualität ist hervorragend, die deutsche Tonspur knistert aufgrund ihres Alters aber gut hörbar. Ansonsten ist das Schaffen von Robbe-Grillet hierzulande wenig erschlossen, auch wenn bei Donau bereits sein Film „Das beständige Gleiten der Begierde“ von 1974 auf DVD erschien. „Das Spiel mit dem Feuer“ ist ein Film, wie er mit seiner Mischung aus Kunstkino und Exploitation, bei der billige Groschenromane auf den Marquis de Sade treffen, wohl nur in den 1970ern in Europa entstehen konnte. Bevor Robbe-Grillet 1963 seinen ersten Film „Die Unsterbliche“ („L’Immortelle“) drehte, war er schon länger als Schriftsteller aktiv, wo er die Konventionen traditioneller Romane verwarf, ein avantgardistischer Ansatz, der auch seine Filme charakterisierte. Und so entpuppt sich „Das Spiel mit dem Feuer“ als ziemlich surreale und verwirrende Gangsterfilmparodie über einen Mädchenhändlerring, die Robbe-Grillet mit viel Situationskomik, erstaunlich witzigen Dialogen und natürlich vielen nackten jungen Frauen versah.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Thomas Kerpen