DER AMPHIBIENMENSCH

Die russische Produktion „Der Amphibienmensch“ dürfte hierzulande nicht allzu bekannt sein, die erst relativ spät im Fernsehen ausgestrahlt und auf DVD veröffentlicht wurde, jetzt gefolgt von einer Veröffentlichung auf Blu-ray (eine DVD-Neuauflage gibt es auch) in guter Qualität und mit zusätzlichem Bonusmaterial. Im gesamten Ostblock war der Film dagegen ein ziemlicher Hit und lief in der DDR deutsch synchronisiert 1962 in den Kinos. „Der Amphibienmensch“ ist auch ein erklärter Lieblingsfilm von Quentin Tarantino, seit er ihn in den 1970er Jahren im amerikanischen Fernsehen sah. Auch der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro muss „Der Amphibienmensch“ kennen, weist er doch Parallelen zu seinem eigenen Film „Shape of Water: Das Flüstern des Wassers“ von 2017 auf. Ebenfalls in den Sinn kommt einem dabei der Kiemenmensch aus Jack Arnolds „Der Schrecken vom Amazonas“ von 1954 oder Mary Shelleys „Frankenstein“-Roman. Die Vorlage für „Der Amphibienmensch“ lieferte aber ein bereits 1928 veröffentlichter Science-Fiction-Abenteuerroman von Alexander Beljajew, der auch Mitte der 1980er in deutscher Sprache erschien. Im Mittelpunkt steht dabei ein südamerikanischer Arzt und Wissenschaftler, der seinem Sohn nur dadurch das Leben retten kann, indem er ihm Haikiemen transplantiert. Dadurch ist der junge Mann gezwungen, vor allem im Wasser zu leben, und wird von den Menschen deshalb für eine Art Seeungeheuer gehalten. Ein echter Horror- oder Science-Fiction-Film ist der in Aserbaidschan gedrehte „Der Amphibienmensch“ aber nicht, eher eine eigenwillige, visuell faszinierende, märchenhafte „Romeo und Julia“-Liebesgeschichte mit düsterem Ende und kritischem Menschenbild, bei der jegliche Verbindung zur tatsächlichen sowjetischen Lebensrealität der 1960er Jahre komplett ausgeblendet wurde.

Anzeige