DER GEFANGENE VON ALCATRAZ

„Der Gefangene von Alcatraz“ („Birdman of Alcatraz“) war nach „Die jungen Wilden“ von 1961, Frankenheimers zweitem Film, eine weitere Zusammenarbeit mit dem zu dieser Zeit schon fast 50-jährigen Burt Lancaster, mit dem ihm gleich ein echtes Karriere-Highlight gelang. Auch über 60 Jahre später ist „Der Gefangene von Alcatraz“, der jetzt in exzellenter Qualität auf Blu-ray neu aufgelegt wurde (ebenso auf DVD), mit seiner humanistischen Botschaft immer noch ein ungemein ergreifender Film, bei dem Frankenheimer wie auch schon bei „Die jungen Wilden“ einige recht brutale Szenen einstreut. „Der Gefangene von Alcatraz“ basiert lose auf dem 1955 erschienenen, nicht ganz faktentreuen Roman „Birdman of Alcatraz – The Story of Robert Stroud“ von Thomas E. Gaddis über das Leben des Mörders Robert Franklin Stroud, der mit 19 Jahren ins Gefängnis kam, wo er 1963 nach ununterbrochenen 54 Jahren Haft verstarb. Allerdings entspricht Lancasters idealisierte Darstellung von Stroud als nettem älteren Herrn, der im Gefängnis zum angesehenen Vogelkundler wird und schließlich während seiner Zeit in Alcatraz (wo man dem „Birdman“ die Vogelzucht verbietet) eine kritische Abhandlung über das amerikanische Justizvollzugssystem schreibt, nicht ganz dem eigentlichen Charakter dieses Gewaltverbrechers. Den hatte ein Psychiater 1943 als unberechenbaren und gefährlichen Psychopathen eingestuft, als den ihn auch das Justizvollzugspersonal und seine Mithäftlinge sahen, und der seine Utensilien zur Erforschung von Vogelkrankheiten nutzte, um in seiner Zelle Alkohol herzustellen. Aber in Frankenheimers Film geht es vor allem um den Glauben an die Kraft der Resozialisierung – trotz der Gnadenlosigkeit des Strafvollzugs –, die aus bösen Menschen gute machen kann, was Lancaster trotz der Widersprüchlichkeit seiner Figur sehr glaubhaft vermitteln kann.

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