DER LETZTE TANZ DES BLONDEN TEUFELS

Helmut Bergers Bedeutung als Schauspieler hat sicherlich viel mit seiner Zusammenarbeit mit Regisseur Luchino Visconti bei „Die Verdammten“ (1969) und „Ludwig II.“ (1973) zu tun, mit dem er auch bis zu dessen Tod 1976 eine Beziehung hatte. Später fiel Berger, der einen lockeren Umgang mit Alkohol und anderen Drogen pflegte, vor allem als peinlicher Exzentriker und Enfant terrible in Talkshows auf, der versuchte, Klaus Kinski Konkurrenz zu machen – 2013 landete er wie so viele abgehalfterte Promis im Dschungelcamp. 1970 zierte er aber als erster Mann das Cover der „Vogue“, wo er als „schönster Mann der Welt“ bezeichnet wurde. Und wenn man ihn etwa in der Rolle des Dorian Gray in Massimo Dallamanos Wilde-Adaption sieht, kann man dem nur zustimmen. Denn der narzisstische Berger, der seine Bisexualität offen und ausschweifend auslebte, hatte Männern als auch Frauen etwas zu bieten – die Personifizierung des sexuellen Tabubruchs im europäischen Kino, wie es bei Wikipedia heißt. Ein Jahr nach „Das Bildnis des Dorian Gray“ spielte er in Sergio Gobbis „Der letzte Tanz des blonden Teufels“ („Un beau monstre“, „Ein schönes Ungeheuer“) erneut eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert war. Gobbis Film erschien jetzt das erste Mal auf DVD, die Qualität ist ordentlich. Neben der um gut eine halbe Stunde erleichterten deutschen Kinofassung ist auch die zweistündige französische Langfassung enthalten, zumindest versehen mit englischen Untertiteln. Berger spielt in diesem provokanten und melodramatischen Kriminalfilm einen mit Dorian Gray vergleichbaren hedonistischen Dandy, verführerisch und kultiviert, eine Art moderner Blaubart und schizophrener perverser Psychopath, der seine Partnerinnen missbraucht und auf sadistische Weise in den Selbstmord treibt.

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