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DER SPION, DER AUS DER KÄLTE KAM

Zuletzt hatte ich Martin Ritts großartige Adaption von John Le Carrés Roman „Der Spion, der aus der Kälte kam“ 2013 als DVD in die Finger bekommen, die bereits eine gute Qualität besaß. 2021 folgte dann die HD-Auswertung (leider nur wieder als Mediabook), versehen mit reichlich Bonusmaterial. Inzwischen gibt es auch eine normale Blu-ray-Veröffentlichung, die alleine schon wegen des Bonusmaterials lohnt (das bei der ebenfalls erhältlichen DVD-Neuauflage fehlt), darunter eine sehenswerte Dokumentation über den 2020 verstorbenen John le Carré, der ja selbst Ende der 1950er Jahre für den britischen Geheimdienst gearbeitet hatte, und ein längeres Interview mit ihm. Le Carrés Roman wurde 1963 veröffentlicht, ein Jahr nachdem Sean Connery seinen Einstand als James Bond in „Dr. No“ gegeben hatte – viele der Bond-Romane entstanden ja bereits in den 1950er Jahren. Im Gegensatz zur glamourösen Fantasy-Agentenwelt von Bond, wo der Kalte Krieg zur Spielwiese für Hallodris mit Jetset-Mentalität und der Lizenz zum Töten wurde, zeichnete Le Carré ein wesentlich düsteres und möglicherweise authentischeres Bild vom Alltag eines Geheimdienstmitarbeiters. Zu diesem zutiefst unmoralischen Kampf der Systeme, bei dem eigentlich jeder permanent die eigenen Ideale verrät, um sein Ziel zu erreichen, passen auch die trostlosen Schwarz-Weiß-Bilder von Ritts auf plakative Actionszenen verzichtenden Film, die mehr an den englischen „Kitchen Sink Realism“ dieser Zeit erinnern als an die bunten Bond-Filme. Darin dient ein vermeintlich in Ungnade gefallener Geheimagent (grandios gespielt von Richard Burton) als Köder für den ostdeutschen Geheimdienst, um deren Abwehrchef zu kompromittieren – womit der britische Geheimdienst perfiderweise einen sozialistischen Juden zum Schutz eines antisemitischen Doppelagenten opfert.

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