So richtig lässt Michael C. Hall seine Rolle als bei der Polizei von Miami arbeitender Serienkiller Dexter Morgan nicht los, in der er 2006 das erste Mal auf den TV-Bildschirmen auftauchte. Denn aktuell ist er in „Dexter: Wiedererwachen“ erneut in dieser Rolle zu sehen, nachdem „Dexter: New Blood“ 2022 eine Fortführung der Originalserie eigentlich unmöglich gemacht hatte – Totgeglaubte leben länger. Kurz vor „Wiedererwachen“ entstand „Dexter: Original Sin“, wo Hall allerdings nur als Erzähler auftaucht, denn die Rolle des jungen Dexter übernahm der mir bisher unbekannte Patrick Gibson, der das aber ziemlich gut hinbekommt. Die Prequel-Serie, die inzwischen auch auf DVD und Blu-ray erschien, wurde bereits um eine zweite Staffel verlängert, denn die erste endete mit einem massiven Cliffhanger. Normalerweise bin ich kein großer Fan solcher Flegeljahre-Prequels bekannter Film- und Serienfiguren. Um „Young“ Indiana Jones, Sherlock Holmes oder Sheldon habe ich immer einen großen Bogen gemacht, auch „Hannibal Rising“ über die Kindheit und Jugend Hannibal Lecters war eine ziemliche Katastrophe (Roman und Verfilmung), aber Dexter ist in seiner Widersprüchlichkeit als Charakter einfach zu faszinierend. Mit „Dexter: Original Sin“ verhält es sich ein bisschen so, als würde man die erste Staffel von „Dexter“ erneut ansehen, nur mit jüngeren Versionen der Figuren. Gerade die jüngeren Ichs von Angel Batista und Vince Masuka sind extrem gut getroffen, nur Molly Brown als Dexters Schwester ist eine ziemliche Fehlbesetzung, denn dieser überspannte Teenybopper hat so gar nichts gemein mit Jennifer Carpenters Verkörperung von Debra Morgan. „Dexter: Original Sin“ versucht zwar mal wieder, Fragen zu beantworten, die keiner gestellt hat, funktioniert aber dennoch erstaunlich gut – bei der der zweiten Staffel schalte ich auf jeden Fall wieder ein.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Thomas Kerpen