
In der Liste der besten Bandnamen aller Zeiten haben für mich DIE BRAUT HAUT INS AUGE ein ewiges Top-Ranking sicher. Besonders gefällt die Verwendung des sprachlichen Stilmittels der Assonanz. 1989 gründeten Bernadette Hengst (voc, gt), Peta Devlin (bs), Karen Dennig (org), Barbara Haß (gt) und Katja Böhm (dr) die Band in Hamburg, sie sangen (meist) auf Deutsch und wurden im Kontext der Hamburger Schule wahrgenommen, die insgesamt sehr männerdominiert war. 2014 bezeichnete Peta Devlin, die man später wieder über ihre Beteiligung unter anderem an OMA HANS wahrnahm, in einem Interview die britische Sixties-Beatband THE LIVERBIRDS als feministisches musikalisches Vorbild. Erstaunlicherweise – die 1990er waren ein seltsames Jahrzehnt – veröffentlichten DBHIA nur ihre erste (Doppel-)7“ 1991 auf einem Indielabel, dem legendären L’Age D’Or, und schafften es dann, einen Majordeal zu ergattern. 1994 erst erschien ihr titelloses Debüt, 1995 folgte „Was nehm ich mit?“ und 1998 noch „Pop ist tot“, bevor sich die Band 2000 auflöste und Bernadette (La) Hengst dann bald mit ihren Soloaktivitäten wieder in die Öffentlichkeit trat. Ich fürchte, im Ox haben wir die Band damals mit relativer Missachtung gestraft, es waren die Jahre von Epitaph-, Fat Wreck- und Burning Heart-Bands, beatorientierter Girl-Pop tat sich ingesamt etwas schwer damals, und so kann man wohl sagen, dass DIE BRAUT HAUT INS AUGE ihrer Zeit sicher zehn, zwanzig Jahre voraus waren und durchaus Pionier(innen)arbeit leisteten. Gut, dass Trikont sie mit dieser Best-Of-Platte in die Gegenwart holt – in gewisser Weise ein Anschluss an den Abschiedsrelease „+1 auf der Gästeliste“ von 2000, einer Art Live-Best-Of. Die Songs stammen in chronologischer Reihenfolge von den drei Studioalben plus „1000 Bier“ von der Live-Scheibe. Unbedingt (wieder)entdecken! Rotes Vinyl mit Textblatt inklusive Kurzbio.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Joachim Hiller