Im Bonusmaterial der Blu-ray-Premiere des Tonfilm-Frühwerks „Die letzte Patrouille“ („The Lost Patrol“) von John Ford, der in der Zeit von 1917 bis 1928 schon zahlreiche Stummfilme gedreht hatte, findet sich, neben einem Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen, die knapp einstündige Arte-Doku „John Ford – Der Mann, der Amerika erfand“. Deren Titel bezieht sich natürlich vor allem auf Fords Rolle als Western-Regisseur, der bereits 1939 mit „Ringo“ („Stagecoach“) einen echten Klassiker dieses Genres drehte, der John Wayne zum Star machte und die eindrucksvolle Landschaft des Monument Valley als Hintergrund nutzte, um losgelöst von der Realität seinen persönlichen Western-Mythos zu schaffen, wo die Legende zur Wirklichkeit wird. Davon ist in „Die letzte Patrouille“ noch nichts zu spüren, der während des Ersten Weltkriegs in der mesopotamischen Wüste spielen soll, aber zum größten Teil in der Wüste von Arizona gedreht wurde. Basierend auf Philip MacDonalds Roman „Der Tod in der Wüste“ aus dem Jahr 1927 schildert Ford darin das Schicksal einer kleinen britischen Einheit, die sich in der Wüste verirrt, nachdem der kommandierende Offizier von einem arabischen Scharfschützen erschossen wurde. Schließlich stößt man auf eine Oase, aber das vermeintliche Paradies entpuppt sich als Todesfalle, denn die Truppe wird Mann für Mann dezimiert. Einige verlieren bereits vorher den Verstand wie zum Beispiel Boris Karloff als religiöser Fanatiker, der zu dieser Zeit schon ein Horrorfilm-Star war, was auch auf Fords gut 70-minütigen Film abfärbt. „Die letzte Patrouille“ wirkt manchmal wie ein Vorläufer einer makaberen „The Twilight Zone“-Episode, da die Soldaten einem scheinbar unsichtbaren Feind ausgeliefert sind, auch wenn es sich laut Ansicht der Soldaten um „verdammte Araber“ handeln muss, die Ford hier ähnlich stereotyp darstellt wie die Indianer in seinen Western.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Thomas Kerpen