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DIE SPITZ

Something To Consume

Vorher hatte ich schon einzelne Songs gehört, war neugierig auf das, was kommen würde, und dann waren sie für mich die große Überraschung auf dem Ruhrpott Rodeo 2025 (und für andere auf der Tour drumherum): DIE SPITZ aus Austin, Texas kamen, sahen und räumten ab! Mit unglaublicher Energie rockten sie noch bei Tageslicht die große Bühne, und was Ava und Ellie da gesanglich abzogen, ist in Sachen wütender Intensität schwer zu toppen: die beiden Frauen röhrten und brüllten in einer Art und Intensität, wie man es ihnen – sorry für das Klischee – vom ersten Anschein her nicht zugetraut hätte. Ava kommentiert das, darauf angesprochen, lakonisch mit „Janis Joplin“ – mit der seien sie aufgewachsen. Der Name DIE SPITZ? Hat was mit dem in den USA unter Bands nicht unbekannten Spaß an der spielerischen pseudoteutonisierenden Verballhornung von Wörtern zu tun. „Die“ wie „stirb“ trifft auf „Spits“ mit Z und wird auch so ausgesprochen. Bodenständiger Humor von einer Bande Mädels, die noch Teenager waren und gemeinsam zur Schule gingen, als sie die Band gründeten, und heute knapp über dem für den offiziellen Barbesuch nötigen Alter von 21 sind. Sie kommen aus der texanischen Hauptstadt, die sie, auf das politische Farbspektrum der USA bezogen, als „kleine Blaubeere“ inmitten eines roten Meeres, als „sicheren Hafen“ bezeichnen. Die Bedrohung ihrer reproduktiven Rechte durch die religiöse Rechte ist ein Thema für sie – als Riot Grrrl-Band bezeichnet zu werden, lehnen sie aber vehement ab. Und geben sich als stolze, traditionsbewusste Texanerinnen. Wer völlig widerspruchsfreie Postergirls für irgendwas sucht, muss weitergehen, Ava Schrobilgen (voc, gt), Chloe De St. Aubin (dr), Ellie Livingston (gt, voc) und Kate Halter (bs, voc) stehen für solche Interpretationen nicht zur Verfügung. Mittlerweile ist via Third Man Records ihr Debütalbum „Something To Consume“ erschienen und spiegelt akustisch das wieder, was man live erleben durfte: Nein, kein Southern Rock, obwohl sie durchaus auch ZZ TOP und BLACK SABBATH zu schätzen wissen, sondern eine fesselnde und von Produzentenlegende Will Yip exzellent in Szene gesetzte Mischung aus all dem grungigen Rock aus den frühen 1990ern, den man bei L7, HOLE, BABES IN TOYLAND und Co. zu schätzen wusste, und im Kontrast dazu immer wieder hyperharmonische Dreampop- und Shoegaze-Elemente. Das Fundament ist aber eindeutig eine wuchtige Rhythmusgruppe und Songs im forcierten Tempo mit unwiderstehlich crunchig-bissiger Gitarre. Dazu Texte, die – siehe „Riding with my girls“ oder „American porn“ – textlich ganz klar machen, dass sie aus sehr guten Gründen als Frauen wütend sind über die aktuellen Verhältnisse. „Something To Consume“ ist letztlich genau das nicht: leicht verdauliche Kost gibt es anderswo. DIE SPITZ sind eine Ansage.

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