DIE ZWÖLF GESCHWORENEN

Das filmische Schaffen des 2011 verstorbenen Sidney Lumet ist wahrlich nicht arm an herausragenden Werken, zu denen ich „Ein Haufen toller Hunde“, „Sein Leben in meiner Gewalt“, „Serpico“, „Hundstage“ und vor allem „Prince of the City“ zähle. Gleich mit seinem Spielfilmdebüt „Die zwölf Geschworenen“ („12 Angry Men“) gelang Lumet ein außergewöhnlicher Film, basierend auf Reginald Roses gleichnamigen Fernsehspiel von 1954, der dann auch als Drehbuchautor an der Kinofassung beteiligt war. Bei dem in gruppendynamischer Hinsicht extrem spannenden Gerichtsfilm handelt es sich um ein reines Kammerspiel, das nicht gerade das Potential zum Kassenschlager hatte. Darin befinden sich zwölf, teilweise tatsächlich etwas „wütende“ Männer in einem schlecht klimatisierten Raum, um in klaustrophobischer Atmosphäre über die Schuld oder Unschuld eines achtzehnjährigen Puerto-Ricaners aus den New Yorker Slums zu befinden, der des Mordes an seinem Vater beschuldigt wird. Das Problem bei so einem Geschworenengericht ist, dass die 12 Personen bei ihrer Urteilsfindung in der Regel einstimmig entscheiden müssen. In diesem Fall ist es Henry Fonda in der Rolle eines Architekten, der an der Schuld des Angeklagten zweifelt und versucht, die Sicht der anderen ebenfalls namenlosen Geschworenen auf den Fall zu ändern – darunter neben Fonda Lee J. Cobb („Der Exorcist“) und erst später bekannt gewordene Darsteller wie Martin Balsam („Psycho“), Jack Klugman („Männerwirtschaft“) oder Jack Warden („Die Bären sind los“) –, indem man ihn in allen Details mehrmals noch mal durchkaut. Auf DVD und Blu-ray erschien Lumets hochmoralischer Film schon einige Male, jetzt gibt es auch eine 4K Ultra HD-Neuauflage im Mediabook, die neben bereits bekannten Extras als Bonus noch William Friedkins TV-Adaption von 1997 enthält, die nicht ganz die Qualität des Originals erreicht.

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