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GROMZELL

Dirk Bernemann

Mein Vater heißt Peter. Sein Vater hieß ebenso Peter wie dessen Vater und alle Väter davor. So ist das eben auf dem Land, da werden Namen von Generation zu Generation weitergegeben. Maries Mutter und auch deren Mutter hießen Marie sowie Maries verstorbene Tochter. Deren Tochter und die Enkelin tragen diesen Namen ebenso. Aber die eine Marie, die, um die es hier geht, die ist tot. Sie ist gestorben, einfach so im Alter von 108 Jahren. Die älteste Frau des ganzen Bundeslandes und der wichtigste Mensch im ganzen Ort. Gromzell ist ein Dorf irgendwo in den Bergen, den Alpen wahrscheinlich, in Bayern vielleicht. Es gibt eine Kirche, ein Wirtshaus, einen Berg mitsamt Seilbahnstation. Und viele Menschen, die um Marie trauern, und die nun kommen, um sie zu verabschieden. Eine kommt sogar aus Berlin, wohin sie vor Jahren gezogen ist. Ein anderer, der Vogelforscher, kommt nicht, er hatte eine verhängnisvolle Begegnung mit dem großen schwarzen Vogel, der als blutiger roter Faden durch das Buch flattert. Bernemann, seit jeher ein Großmeister des Episodenromans, erzählt hier nicht die eine Geschichte über die eine Hauptfigur, sondern viele unterschiedliche, die sich alle irgendwie um Maries Tod drehen, von vielen unterschiedlichen Personen, die sich spätestens auf der Beerdigung treffen. Das Wirtsehepaar und deren Kinder und Enkelkinder. Ein ganz bestimmter Bauer, die junge Frau, die er umgarnt, der Zweitälteste des Dorfes. Der Totengräber, im Ort bekannt als der Todeshuber, wer ihn berührt, stirbt als Nächstes. Bernemann erzählt hier vom Leben und Sterben im Dorf, von Aberglauben und menschlichen Abgründen. Morbide, verstörend, manchmal brutal. Mit eines seiner besten Bücher.

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