
Sahan Jayasuriya ist Jahrgang 1985, Musiker und Musikjournalist, und 2006, als er schon mit den Hardcorebands der 1990er und 2000er sozialisiert war, stieß er auf eine von ihm bis dato völlig übersehene Hardcore-Band aus seiner Heimatstadt Milwaukee, 200 km nördlich von Chicago: DIE KREUZEN. Die wiederum hatten sich Anfang der 1980er noch als THE STELLAS 150 km westlich in Rockford gegründet und Brian Egeness (dr), Keith Brammer (bs), Erik Tunison (dr) und Dan Kubinski (voc) waren zusammen umgezogen, um als Band weiterzukommen – mit neuem Namen. Dessen pseudodeutsche Anmutung? Ein Zufall, wie man in Jayasuriyas minutiös recherchiertem Buch nachlesen kann. Über zehn Jahre hat er an dem gearbeitet, die Bandmitglieder und zig Zeitzeugen zu Wort kommen lassen im „oral history“-Stil: Basierend auf Interviews hat er Zitate thematisch passend montiert und dabei viel Geschick und Liebe zum Detail bewiesen. Unter anderem antworteten ihm Touch and Go-Labelmacher Corey Rusk (der die Alben veröffentlichte), Butch Vig, Mike Gitter, Steve Albini, Lou Barlow, Greg Anderson und John Reis. Tatsächlich waren DIE KREUZEN bis zu diesem Buch eine sträflich unterdokumentierte Band, und das, obwohl auch in Europa wohl jeder, der in den späten 1980ern solche Musik hörte, mindestens ihr zweites Album „October File“ (1986) im Regal hat. Das Debüt kam 1984, „Century Days“ (1988) und „Cement“ (1991) folgten, sie tourten in Europa – und 1992 war Schluss. Dass das Buch „a labour of love“ ist, merkt man an vielen Stellen: viele gute Fotos mit exakten Angaben, eine kommentierte Liste der Interviewpartner, ein schlüssiger Erzählstrang – es erzählt über die Band hinaus die Geschichte des US-Hardcore der 1980er.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Joachim Hiller