
Wenn im popkulturellen Kontext der Name Dorian auftaucht, darf vermutet werden, dass eine wie auch immer geartete Bezugnahme auf Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ vorliegt. DORIAN’S STEAMING SHADOW kommen aus Bialystok weit im Osten von Polen. 2023 veröffentlichten sie auf Bandcamp erste Songs, Ende 2024 kam dann „Frozen Nightmares“, ihr Debütalbum, auf dem sie durchgängig auf Englisch singen und dabei kein Blatt vor den Mund nehmen: „Greedy, shameless, governmental whores / Your future is rusty while they praise their past / In the circles of chaos we find a shade / Let’s hide to leave, not to exist“. Das klingt so düster und depressiv wie die Musik, die Anfang der 1980er Jahre aus dem abgefuckten United Kingdom von Margaret Thatcher ihren Siegeszug rund um die Welt antrat. Nenn es Goth, nenn es Wave, denk an frühe THE CURE, an PLAY DEAD, an ECHO AND TH BUNNYMEN, THE MISSION ... DORIAN’S STEAMING SHADOW haben wirklich ein Händchen für gefühlvolle, dunkle, aber auch warme Klänge, die sich in eine lange Historie stimmig einfügen. Hier klingt nichts „fake“, aufgesetzt oder pompös, der Ansatz von Kamil Solowianowicz (voc), Kuba Totczyk (gt), Marcin Gliński (bs) und Maciej Ilenda (dr) ist stimmig und reduziert. Eine angenehme, in diesem Kontext durchaus eigenständige Veröffentlichung.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Joachim Hiller