
Als wilder Slap-Bass-Spieler im Rock’n’Roll-Trio seines Bruders Johnny Burnette machte Dorsey sich im Rockabilly-Kreisen einen Namen. In den frühen 1960ern schrieb er dann mit seinem Bruder Songs für Ricky Nelson, zudem war er auch als Arrangeur tätig, etwa für eine der ersten Stevie Wonder-Sessions für Tamla. Bear Family schließt mit vorliegender Kopplung nun eine oft übersehene Lücke im Lebenslauf des Bariton-Sängers, dessen strenge, verzweifelte Intonation oft an Johnny Cash erinnert. Hier sind nämlich alle Songs enthalten, die Burnette auf Frank Sinatras Label Reprise sowie auf Motowns Sublabel Mel-o-dy veröffentlichte. Das Material besteht größtenteils aus Country-Nummern, doch seine R’n’R-Roots holen ihn dabei immer wieder ein. Dass er auch als Soul-Sänger nicht untalentiert war, zeigt sich hier außerdem, auch wenn seine Leidenschaft stets dem Western-Sound galt. Auf einer zweiten CD sind zudem zwanzig bislang unbekannte Titel enthalten; man hört faszinierende Originale, geschrieben von Dorsey in Kollaboration mit dem Wrecking Crew-Bassisten Joe Osborn, darunter „Love me forever“, „Go between“, „Buckeye road“, aber erstaunlicherweise nicht deren wohl populärste Nummer „Here comes that feeling“, die Brenda Lee zum Hit machen sollte. Starkes Material eines Künstlers, der immer gerne im Hintergrund stand, obwohl er ein leidenschaftlicher Rauf- und Saufbold sowie waschechter Lebemann war. Die Compilation ist mit allen Wassern gewaschen, Bear Family hat wie gewohnt mit Sachkunde und Liebe zum Detail eine so aufschlussreiche wie unterhaltsame Doppel-CD zusammengestellt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Gereon Helmer