
Selten hat die afroamerikanische Etta James auch nur halbwegs die Anerkennung gefunden, die ihr als einer der wichtigsten Sängerinnen ihrer Epoche zugestanden hätte. Bereits Mitte der 1950er Jahre hatte Etta mit ihrem R&B-Hit „The wallflower“, einem Antwortsong auf „Work with me, Annie“ der MIDNIGHTERS gezündet, wenig später schlugen auch „Good rockin’ daddy“ sowie der New Orleans-Blues von„Tough lover“ ein, Ettas Karriere kam dann, nachdem sie 1960 für Chess in Chicago aufnahm und den Fokus von Rhythm’n’Blues und Doo-wop eher auf Soul verlegte, so richtig in Fahrt. Die Bear Family-Kopplung lässt diesen Aspekt ihrer Laufbahn nicht außer acht, Northern-Soul-Klassiker wie „Seven day fool“, der Girlgroup-Sound-Klon „Pushover“ und „Next door to the blues“ dokumentieren diese Phase bestens. Mit ihrer unkonventionell arrangierten Fassung von Willie Dixons „I just want to make love to you“ sowie die clever bearbeitete Version von „Spoonful“, das später CREAM zum Welthit machten, zeigen Etta James und ihre außerordentlich vielseitigen Nummern als Ausnahmekünstlerin ohne Allüren. Bear Family hat ihr zu Recht einen Platz in der umfangreichen „Rocks“-Serie gegeben, der Sampler mit 29 durchweg robust rockenden Einzeltiteln, 36-seitigem Booklet und einem exquisiten Mastering (aus den besten verfügbaren Quellen natürlich!) bleibt allen Standards des Labels treu und porträtiert die oft unterschätzte Sängerin mit allem gebotenen Respekt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Gereon Helmer