
„Feel Safe“ ist erst die dritte LP des aus Frank Otto und Markus Brengartner bestehenden Duos, dessen Konzerte stets ein befreiendes Fest sind. Wer YASS einmal erlebt hat, weiß, wovon ich spreche. Es gibt nur zwei Möglichkeiten der Reaktion, entweder man feiert das innerlich komplett ab, und man sieht sich auf dem nächsten Konzert in der ersten Reihe wieder, oder der Zugang bleibt einem für immer verschlossen. „Egal“ ist keine Option. Was die zwei hier für einen Sound produzieren, fasziniert oder überfordert dich, nicht mehr und nicht weniger. Ein unglaublich tightes und körperlich gespieltes Schlagzeug trifft auf eine Gitarre, die nicht wie von dieser Welt klingt, verdichtet durch Synthesizer-Loops und seltsame Sounds, durch die Vocals dringen, die deklamieren, ganz egal ob du den Befehl verstehst oder nicht. Schicht um Schicht türmt sich der Sound auf, der eine gewisse Seelenverwandtschaft zu A PLACE TO BURY STRANGERS und HILDEGARD VON BINGE DRINKING nicht verleugnen kann. Hier werden dieselben Zutaten wie Punk, Kraut, Elektronik, repetitive Elemente, exzessiver Einsatz von Effektgeräten einerseits und die Reduktion auf minimalste Showelemente auf der anderen Seite vermengt. Heraus kommt etwas, das wie keine andere Band klingt, sich keinem Trend anbiedert und eine eigene Schublade benötigen würde. „Todesdisco“ wäre die von mir bevorzugte Genrebezeichnung, denn das hier ist alles unglaublich tanzbar und so treibend, dass man – auf den richtigen Drogen – sich tagelang bis zum Exitus verausgaben könnte. Wenn ich es könnte, würde ich irgendwo noch „sonic“ unterbringen wollen, denn das trifft den Nagel endgültig auf den Kopf. Den Technokids wäre das freilich zu komplex, denn das Schlagzeug liefert nicht nur Beats, sondern Rhythmus. Markus ist einer der wenigen Drummer, dem ich fassungslos ein ganzes Set lang zusehen kann, da es sportlich, physisch und elegant zugleich ist, außerdem nie langweilig, weil das Schlagzeug hier als eigenständiges Instrument begriffen wird, das sich weigert, einfach bloß den Takt zu halten und einen minimalen Beat zu liefern. Franks Gitarre klingt wie mindestens zwei, beschränkt sich nicht auf das reine Riff, sie spornt den pulsierenden Sound an und liefert mit zwei, drei Tönen das Extra an Drama, das wie eine glasierte Kirsche auf der Sahne thront. Funktioniert als ganze LP, die von vorne bis hinten aufregend ist, in der richtigen Lautstärke auch für die Nachbarn. So dicht, dass ich das nervige Arschlochkind von gegenüber gar nicht mehr wahrnehme. Was als KURT und TEN VOLT SHOCK seinen Lauf nahm, als MAULGRUPPE den Sound für Jens Rachuts aktueller Inkarnation liefert, perfektioniert YASS mit „Feel Safe“ als den kreativen Höhepunkt der beiden Menschen, die für ihre Band keinen wohlklingenden Städtenamen brauchen, weil es im näheren Umkreis keinen gibt, der dafür taugen würde.
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