Man zuckt unmerklich zusammen, wenn man erfährt, dass ZU neue Musik gemacht haben, und denkt, dass der Erstkontakt mit den progressiven Instrumentals aus Saxophon, Drums, Bass und zusätzlich Synths und Keys wieder wehtun wird. Wenn man bemerkt, dass das Album „Ferrum Sidereum“ fast 80 Minuten dauert, dann zuckt der Mundwinkel kurz unkontrolliert. Aber der Fluchtreflex wird erfolgreich unterdrückt. Die Musik an der Schnittstelle von Industrial, Metal und Jazz läuft seit 20 Minuten und mit versteinertem Blick und weitgehend verständnislos stellt sich die Frage: „Kann das nicht auch in der Hälfte der Zeit erzählt werden?“ Nach weiteren 20 Minuten, die erste Hälfte ist vorbei, hat man eine Ahnung und vergisst sich. Nach einer Stunde vergeht einem Hören und Sehen. Nein, das Hören vergeht einem natürlich nicht, sondern verwandelt sich in eine andere Form der sinnlichen Aufmerksamkeit. Was ebenfalls nicht vergeht, ist das Interesse daran zu erfahren, inwieweit sich das italienische Trio in diesem irrlichternden Fiebertraum verliert, um einen einzigartig rohen und puren Klang zu kreieren. „Ferrum Sidereum“ ist ein musikgewordenes Inferno, das sich zu einem Flächenbrand entwickelt, den einzig und allein ZU kontrollieren können.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #84 Juni/Juli 2009 und Jenny Kracht
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #120 Juni/Juli 2015 und Jenny Kracht
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Henrik Beeke
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #132 Juni/Juli 2017 und Jenny Kracht
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #89 April/Mai 2010 und Jenny Kracht