FLUCHT ODER SIEG

„Gesprengte Ketten“ von John Sturges aus dem Jahr 1963 dürfte einer der herausragendsten Filme sein, die den Zweiten Weltkrieg als Basis für eskapistisches, leicht romantisiertes Unterhaltungskino nutzten, wo es rückblickend oft schwer fällt, sie mit dem Zusatz „Anti“ zu versehen, auch wenn die bittere Realität der Kriegsereignisse nicht gänzlich ausgespart wird. In „Gesprengte Ketten“ geht es bekanntlich um die Flucht alliierter Kriegsgefangener kurz vor Kriegsende aus einem ausbruchssicheren deutschen Kriegsgefangenenlager, der dabei der Formel typischer Gefängnisfilme folgt. John Hustons Sport- und Kriegsdrama „Flucht oder Sieg“ („Escape to Victory“) erinnert frappierend an „Gesprengte Ketten“, zumindest teilweise, war aber mit diesem Thema erstaunlich spät dran. Auch in „Flucht oder Sieg“, der mit Sylvester Stallone, Michael Caine und Max von Sydow durchaus starbesetzt ist, geht es um ein deutsches Kriegsgefangenenlager für Briten und US-Amerikaner, dessen Insassen nach Möglichkeiten zur Flucht suchen. Eine gute Gelegenheit dafür scheint zu sein, als zu Propagandazwecken und zur Belustigung von SS- und Wehrmacht-Offizieren ein Spiel zwischen den fußballbegeisterten Kriegsgefangenen (darunter neben Pelé noch andere echte damalige Fußballprofis) und deutschen Soldaten in Paris angesetzt wird, wo Vertreter der Résistance bei der Flucht helfen sollen. Vorher will man natürlich das Spiel gegen die Nazis noch gewinnen. An „Gesprengte Ketten“ kommt Huston mit „Flucht oder Sieg“ trotz gut inszenierter Acion- und Fußballszenen aber nicht heran, der sich für seine Story beim wesentlich überzeugenderen ungarischen Film „Zwei Halbzeiten in der Hölle“ von 1962 bediente. „Flucht oder Sieg“ erschien jetzt das erste Mal auf Blu-ray (im Mediabook plus DVD), in guter Qualität, aber ohne spektakuläre Extras.

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