
Der 1977 verstorbene US-amerikanische Autor Jim Thompson, dessen wichtigsten, um Themen wie Gewalt, Habgier und Korruption kreisenden Noir-Romane in den 1950er und 1960er Jahren entstanden, blieb zu Lebzeiten eher ein Geheimtipp, obwohl er als Drehbuchautor 1956 und 1957 an den hervorragenden Stanley Kubrick-Frühwerken „Die Rechnung ging nicht auf“ und „Wege zum Ruhm“ beteiligt war. Als erster Regisseur nahm sich Sam Peckinpah eines Thompson-Romans an und verfilmte 1972 „Getaway“ von 1958 mit Steve McQueen und Ali MacGraw in den Hauptrollen, mit der Musik von Michael Jacksons langjährigem Produzenten Quincy Jones. Das Drehbuch schrieb Actionspezialist Walter Hill, verzichtete allerdings auf das surreale Ende des Romans, was auch für Roger Donaldsons gar nicht mal schlechte Neuverfilmung von 1994 gilt. Und so ist „Getaway“ vor allem eine Mischung aus Heist-Film und Roadmovie, die gar nicht mal so originell ist. McQueen spielt darin den coolen Berufsverbrecher Carter „Doc“ McCoy, der dank eines korrupten Politikers vorzeitig aus der Haft entlassen wird und für diesen einen Banküberfall durchführen soll, zusammen mit seiner Frau und zwei weiteren Komplizen. Natürlich ist dieser krumme Deal zum Scheitern verurteilt und das Gangster-Pärchen befindet sich in Folge auf der Flucht vor der Polizei und einem der noch lebenden Komplizen. Aus dieser nicht gerade außergewöhnlichen Story machte Peckinpah allerdings einen wirklich atemberaubenden Film, der hinsichtlich der überästhetisierten Darstellung von Gewalt und der ungewöhnlichen Schnitttechnik bei der Inszenierung der ruppigen Actionszenen nach wie vor ein visueller Genuss ist. „Getaway“, der zu den herausragendsten Filmen Peckinpahs gehört, wurde jetzt auf Blu-ray mit zusätzlichem Bonusmaterial und in exzellenter Qualität in einer Mediabook-Edition neu aufgelegt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Thomas Kerpen