
Mike Hard ist einer der faszinierendsten Frontmänner, seine dunkle, manische Stiumme unbedingt fesselnd. Es muss mehr als drei Jahrzehnte her sein, dass ich ihn mit GOD BULLIES sah (war es in Köln?), und mir ist dieses irre Stageacting bis heute in Erinnerung geblieben. 1986 hatten sie sich in Kalamazoo, Michigan gegründet und wurden dann zu einer der archetypischen Noiserock-Bands auf Amphetamine Reptile. 1995 und einige Alben später kam das Ende, nachdem sie zuvor noch auf Alternative Tentacles die „Kill The King“-12“ veröffentlicht hatten. Mike Hard gründete THRALL, veröffentlichte mit denen auch auf AT. Fast forward nach 2010: Eine kurzlebige Reunion. 2023: Gitarrist David B. Livingstone stirbt. 2024: Mike Hard reaktiviert ... nun, genau genommen nicht die Band GOD BULLIES, sondern den Namen. Mit seinen THRALL-Bandkollegen Liff Carinci (dr) und Scott Kodrik (gt) sowie Pat O’Harris am Bass geht er im April 2024 ins Electrical Audio-Studio und nimmt das Album „As Above So Below“ auf, das von Sanford Parker gemischt und Ende 2024 auf Reptilian veröffentlicht wird. Das Ergebnis kann sich hören lassen, die Trademark-Vocals von Hard können einfach alles. Die Musik: Nun ja, man hätte das Album auch als THRALL-Platte veröffentlichen können, die Ähnlichkeiten sind da, manchem fehlen da mehr GOD BULLIES-Bezüge als „nur“ der Gesang – der für mich freilich das Markanteste an deren Sound war/ist. Es kam, was kommen musste: Ein Shitstorm der nach Livingstones Tod verbliebenen und nicht involvierten alten GOD BULLIES-Mitglieder, die aber wohl das Facebook-Profil und die Website godbullies.com kontrollieren und nun ihrem Hass auf Mike Hard freien Lauf lassen. Ein Trauerspiel. Ich halte mich da raus, genieße dieses Album, das mir alle Wünsche an eine neue „Thrallbullies“-Platte erfüllt, und hoffe, dass es was wird mit einer Europatour Ende 2025.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Joachim Hiller