
Eine diverse Gesellschaft bringt einen diversifizierten Extremismus mit sich. Migrantische Rechtsextremist:innen wie die türkischen Grauen Wölfe waren nicht nur in der bundesdeutschen Politik jahrzehntelang ein blinder Fleck, sondern auch innerhalb der Linken ein heißes Eisen, da die beiden Begriffe „rechts“ und „Migration“ aus ideologischen Gründen schwer zusammengedacht wur den (vgl. hierzu das Interview zum Streit des AZ Wuppertal mit der DITIB in Ox #168). Ismail Küpeli bietet eine gut verständliche historische Herleitung zum ideologischen Überbau der Grauen Wölfe, der eng an die Nationalstaatenbildung der Türkei inklusive rassistischer Überhöhung des Türkentums sowie antisemitischen und antichristlichen Bestrebungen nach einem muslimisch-türkischen Einheitsstaat nach dem Ersten Weltkrieg geknüpft ist. Sehr erhellend ist hierbei auch die Rolle der Nationalsozialisten in Deutschland, deren Brüder im Geiste in den 1920er Jahren die faschistischen Jungtürken waren. Küpeli spannt den Bogen über die aktuell regierenden Parteien, Erdogans AKP und die ultranationalistische MHP, bis zur Rolle der in Deutschland aktiven muslimischen Verbände, Dachorganisationen und Moscheegemeinden, die zu nicht unwesentlichen Teilen von Sympathisant:innen und Funktionär:innen der Grauen Wölfe unterwandert sind und zunehmend Einfluss in Integrationsräten, Ausländerbeiräten und Parteien haben. Ein wichtiges Buch für Leute, die sich fit machen wollen im Who’s Who der zweitgrößten rechtsextremen Gruppierung in Deutschland nach der AfD, um im politischen Alltag und in der Jugendarbeit Symbole, Codes, Ideologie und Ziele der Grauen Wölfe zu erkennen und darüber aufklären zu können.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Daniel Schubert