
Das erste Mal muss ich auf Harald Grosskopf gestoßen sein, als bei Bureau B 2014 seine ersten beiden Platten „Synthesist“ (1980) und „Oceanheart“ (1986) wiederveröffentlicht wurden, die ursprünglich auf dem renommierten Krautrock-Label Sky erschienen. Grosskopf stand mit seinen rein instrumentalen Synthieteppichen deutlich in der Tradition der Berliner Schule und eiferte TANGERINE DREAM und Klaus Schulze nach – mit letzterem hatte er auch häufiger zusammengearbeitet, mehr aber noch mit Manuel Göttsching von ASH RA TEMPEL und ASHRA, der wie sein früherer Mitmusiker Schulze 2022 verstarb. Parallel zur Veröffentlichung der Autobiografie „Monsieur Séquenceur“ des 1949 in Hildesheim geborenen Schlagzeugers und Keyboarders erschien bei Bureau B auch ein neues Album namens „Strom“, mit dem Grosskopf musikalisch in durchaus moderner Form an „Synthesist“ und „Oceanheart“ anknüpfen konnte. Ansonsten gibt es nur wenige Platten unter seinem Namen, dafür war er aber an über hundert Alben anderer Künstler beteiligt (etwa Joachim Witts Debütalbum „Silberblick“), was reichlich Material für seine Memoiren liefert. Auch wenn Grosskopf nie zu den wirklich großen Namen im Bereich Krautrock gehörte, scheint er überall seine Finger im Spiel gehabt zu haben und wäre sogar fast mal Drummer der SCORPIONS geworden. Insofern sind seine mit trockenem Humor versehenen Lebenserinnerungen wesentlich spannender als die meisten Band-Monografien, denn „Monsieur Séquenceur“ ist auch ein aufschlussreicher Streifzug durch die sich in den 1960er Jahren langsam entfaltende deutsche Musiklandschaft der Nachkriegszeit.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Thomas Kerpen