
Ob Hardcore zwangsläufig hässlich bleiben muss, sei dahingestellt. EASY LIVING jedenfalls setzen ihn rigoros, eruptiv und textlich hellwach um und entfesseln dabei eine massive Wall of Sound, die keinerlei Zweifel an ihrer Haltung zulässt. Auf Bandcamp ist von Yogaviolence die Rede. Das ist ein Begriff, der fast ironisch wirkt, denn mit Entspannung, Geschmeidigkeit oder innerer Ruhe hat dieses Trio aus Cottbus rein gar nichts am Hut. Stattdessen regieren Abriss, Aktivierung und eine kompromisslose Direktheit, die sich wie ein körperlicher Impuls anfühlt. Okay, es passt doch. Nur drei der elf Stücke – darunter der Titeltrack – „überschreiten“ überhaupt die Marke von einer Minute Spielzeit. Der Rest ist purer Angriff: „Bahnhass“, „Aktenzeichen ungelöst“, „Merchguerilla“ und die „Verkürzte Kapitalismuskritik“ wirken wie musikalische Überfälle zwischen Powerviolence, Blackened Hardcore und Grindcore. EASY LIVING arbeiten mit einer Intensität, die kaum Raum zum Atmen lässt, und doch zeugen die Stücke von einer klaren Struktur, einem bewussten Setzen von Reibungspunkten und ihrem Gespür für pointierte Zuspitzung. Die seit 2024 aktive Brandenburger Formation mit Frontfrau bezeichnet sich selbst als „Antifascist Blast Beat Crew“; ein Label, das nicht als bloße Attitüde fungiert, sondern als programmatische Selbstverortung. Genau das setzen EASY LIVING mit „Hardcore bleibt hässlich“ konsequent um: politisch bewusste Texte, ein Sound, der sich jeder Glättung verweigert, und eine Haltung, die sich nicht in Andeutungen verliert.
© by Fuze - Ausgabe #118 Juni/Juli 2026 und Arne Kupetz
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Ollie Fröhlich