
Beim Cover dachte ich sofort an eine weitere Egg-Punk-Platte, lag aber zum Glück falsch. Gibt es das Genre Lazypunk schon? Wenn nicht, würde ich mir gerne die Rechte sichern. Flokati-Wave geht aber auch. Elektronisch, verspielt, gar nicht mal so hart, eher leicht angekifft oder versehentlich die falschen Tabletten geschluckt und zu egal, um sich wirklich aufzuregen. Tavor-Core?! Ich würde! Musik wie diese wäre 1980/81 definitiv nirgends sonst, als bei Hilsberg auf Zick Zack oder als Kassette erschienen. Ich mag so was und weiß genau, dass ein Großteil der Leser sich kopfschüttelnd fragt warum. Weil ich die Punk-Spielwiese nicht nur auf Nieten und dicke Hose beschränke, sondern immer ein Faible für die Bekloppten aus der frühen NDW-Phase und die Kassettentäter hatte, die vielleicht nicht viel konnten und sich weigerten, die Gebrauchsanweisung ihrer japanischen Tasteninstrumente zu lesen, aber dennoch einen erstaunlichen Output mit so mancher versehentlichen Perle hinterließen. PAF machen ähnliche Musik, die wieder einen neuen Stellenwert bekommt, wenn man sich irgendwann genug aufgeregt hat und feststellt, dass der 78.599. Song gegen Krieg, Bullen und den Staat immer noch nichts bewegt hat. Sofapunk, gleich neben dem Kinderzimmer? Absolut nichts für die Feierabendpunks, die Gesetzten oder die permanent Entrüsteten, aber etwas für die Resignierten, die unterrepräsentierten Phlegmatiker und die mit leichtem funktionalen Sockenschuss, die ohne zu zögern sofort dabei sind, wenn man einfach nur am aufgeschütteten Elbesandstrand billige Cocktails in der Happy Hour trinken möchte.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Kalle Stille