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I HAVE NO MOUTH AND I MUST SCREAM

II

Beim Namen der Berliner Band I HAVE NO MOUTH AND I MUST SCREAM befürchtet man spontan irgendwelchen modernen Screamo-Metalcore mit hoher Breakdown-Quote, doch das Blümchen-Cover ihres zweiten Albums „II“ weckt dann doch andere Assoziationen. Den Namen haben sie sich bei der gleichnamigen postapokalyptischen Science-Fiction-Kurzgeschichte des amerikanischen Schriftstellers Harlan Ellison von 1967 ausgeliehen, in der der Kalte Krieg in einen brutalen Weltkrieg zwischen den Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und China ausartet, was zu einer fast vollständigen Auslöschung der Menschheit führt, leider ein echter thematischer Dauerbrenner. Allerdings sind dystopische und postapokalyptische Stimmungen musikalisch nicht zwingend das Ding von IHNMAIMS, denn die sind auf ihrem zweiten Album (wie ihr Debüt von 2016 als LP und Audiokassette erhältlich) eher im Indierock der Achtziger zu Hause, darunter Referenz-Bands wie die PIXIES, DINOSAUR JR. oder PAVEMENT und natürlich alles, was in Sachen Shoegaze Rang und Namen hatte. Gleichzeitig erinnert die Band um Markus Mocydlarz und Bastian Stein (with a little help from some friends) aber auch an leider in Vergessenheit geratene vergleichbare deutsche Hoffnungsträger dieser Jahre wie SHARON STONED, HIP YOUNG THINGS oder LOCUST FUDGE. IHNMAIMS gelingt in dieser Hinsicht aber mehr eine respektvolle Hommage als eine dreiste Vereinnahmung fremden Liedguts, da sie songwriterisch immer extrem fokussiert wirken und das Wechselspiel zwischen zarten Melodien und aggressivem Gitarren-Noise exzellent beherrschen. Sicherlich ein wenig anachronistisch, was IHNMAIMS hier so treiben, aber für bestimmte Sounds gibt es einfach kein Verfallsdatum, vor allem wenn es so gut umgesetzt wurde.